Aus einem Guss
Zwölf Jahre sind seit Robert Carsens und William Christies wundervoller «Alcina»-Produktion an der Pariser Oper nun schon vergangen. Und doch fühlte man sich jetzt an Renée Flemings damalige Leiden als machtlose Zauberin erinnert, die vor einer Phalanx makelloser Nackter in der Nacht ihrer Ohnmacht versank, welche ihr den Liebsten nicht mehr zurückholen konnte. Denn wieder stand in Paris, diesmal am Théâtre des Champs-Elysées, eine Alcina desillusioniert vor den amourösen Trümmern ihrer Magierinnenexistenz.
Jennifer Larmore brachte es anrührend fertig, vokale Abnutzungserscheinungen, eine flache Tonproduktion und abblätternde Klangfarben in Charaktergröße umzuformen. Da agierte und sang eine nicht mehr junge Frau, die sich für ihre Gefühle verzehrte.
Und wie damals bei der Händel-Oper schien hier alles aus einem Guss: Regie, Dirigat, das exzellente Ensemble. Gespielt wurde freilich eine der vielen anderen, aus Ariosts «Rasendem Roland»-Epos destillierten Musiktheatervarianten: Antonio Vivaldis «Orlando furioso» von 1727, dessen dritte, finale und reifste Annäherung an den Stoff. Längst gilt dieser «Orlando» zudem als die beste der inzwischen flächendeckend wiederentdeckten Opern des ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Manuel Brug
Der Name ist Programm: Als Matthias Osterwold 2002 in Berlin die erste «MaerzMusik» auflegte, nannte er das Projekt «Festival für aktuelle Musik». Der schwammige Untertitel beschreibt präzise, worin sich Osterwolds Nachdenken über Stand und Perspektiven zeitgenössischer Klangkunst von jener «Musikbiennale» unterscheidet, die zuvor unter dem Dach der Berliner...
Es ist eine Berufung mit Planziel. Nicht nur, dass die Stadt mit ihrem neuen Intendanten Übliches vereinbart hat, im Fall von Ulf Schirmer zwei Premieren und bis zu 30 Dirigate pro Spielzeit. Zugleich erging auch ein inhaltlicher Auftrag: Die Leipziger Oper müsse zum Repertoire-Haus umgebaut werden. «Kein Stagione-Betrieb also», sagt der gerade Berufene, «weg auch...
Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien...
