Der Fürst entsorgt sich selbst

Zürich: Dalbavie: Gesualdo

Opernwelt - Logo

Wenn das nicht opernträchtig ist! Ein Komponist, ein Hocharistokrat dazu, erwischt die Frau Gemahlin mit ihrem Liebhaber und befördert beide ins Jenseits. Alfred Schnittke machte denn auch eine Oper daraus, Franz Hummel eine andere, ganz besonders filigran und nuancenreich Salvatore Sciarrino – und nun Marc-André Dalbavie. Klar, der meuchelnde Musiker ist Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa, dessen chromatische vorbarocke Madrigalkunst noch heute fesselt.



Dalbavie, 49, Franzose und bei Edelorchestern als Werklieferant geschätzt, tat sich zu seinem «Gesualdo» mit dem Romancier Richard Millet zusammen, der ihm ein exzellentes Libretto lieferte. Am Ende konnte in der Zürcher Oper fast schon von einem
Triumph gesprochen werden. Die Untat ist hier schon verjährt. Wir beobachten den psychisch wie physisch gepeinigten Helden auf seinen letzten Stationen vor dem Tod, einen missmutigen, herrschsüchtigen, von Krankheit wie Lebensekel geschüttelten Menschen. Er lässt sich (auch wegen der Verdauung) auspeitschen, erkennt keine gemeinsame Basis mehr mit seiner zweiten Frau Eleonora d’Este, gibt den Senior-Giovanni und schwört schließlich selbst der Musik ab.

Was Dalbavie mit viel Sinn für die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Geisterhaus

Dieses Stück bleibt ein Rätsel. Was passiert denn nun wirklich im einsamen Gutshaus Bly? Sprechen die Geschwister Flora und Miles mit Gespenstern, oder steigert sich ihre Gouvernante nur in Wahnvorstellungen hinein? Myfanwy Piper, die Librettistin von Benjamin Brittens «Turn of the Screw», hält es da mit Henry James, dem Autor der literarischen Vorlage: Der habe...

Gestaute Zeit

Sein großes Verdienst ist, dass er Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in
St. Petersburg hoffähig gemacht hat. Mit «Lohengrin», «Holländer», dem ganzen «Ring» und mit «Parsifal»: Valery Gergiev, der Unermüdliche, hat nach russischem Repertoire (klar!) und Ausflügen ins italienische Fach (etwa mit der in Petersburg uraufgeführten Originalfassung von Verdis...

Wo ein Wille ist, ist manchmal auch ein Weg

Ein wenig erinnert er an Peer Gynt. Wie der Titelheld aus Ibsens Drama, so ist auch Stefan Solyom viel herumgekommen in der Welt. Doch die Motivation hinter der Reiserei könnte unterschiedlicher nicht sein. Gynt, der Unglücksrabe, sucht (vergeblich) das Leben und die Liebe. Solyom, das Glückskind, hat beides schon gefunden. Und dazu seinen ersten festen Job. Seit...