Literarische Liebe

Magdeburg, Tschaikowsky: Eugen Onegin

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Manchmal weiß man schon nach wenigen Sekunden, wie musikalisch ein Regisseur, eine Regisseurin ist. An diesem Abend in Magdeburg, der voller musikalischer Zweifel steckt, weil das von Alexander Steinitz geleitete Orchester einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, ge­nügt die Ouvertüre, um solches festzustellen. Vorne, vor dem noch geschlossenen Vorhang, sitzen Menschen auf Stühlen und warten: eine Situation wie aus einem Tschechow-Stück.

Die Ouvertüre, darin die Gattung dieser Oper («Lyrische Szenen») bereits beglaubigt wird, erzählt von den Sehnsüchten dieser wartenden Frauen, von der Vergeblichkeit dieser Sehnsucht. Ja, fast könnte man sagen: Diese Ouvertüre erzählt schon die ganze Geschichte.
Die Hoffnungs- und die Seufzermotive, die einander gegenüberstehen, gemahnen daran. Und Vera Nemirova lässt dies nicht ungeschehen an den Figuren vorüberziehen. Jedesmal, wenn das Hoffnungsmotiv aufscheint, ein aufsteigendes Melodiefragment, erheben sich die Frauen. Um sich, beinahe im gleichen Moment, wieder zu setzen, gemeinsam mit dem Erklingen des abwärts geführten Seufzermotivs. Die Grundtendenz des Abends ist damit konstituiert. Und wird – was der Spannung nicht abträglich ist – in den ...

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Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Jürgen Otten

Vergriffen
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