Alptraum-verloren

Glanert: Caligula Hannover / Staatsoper

Opernwelt - Logo

Opernintendanten lieben das Recht der ersten Nacht beinahe so sehr wie Mozarts Graf Almaviva: Eine Uraufführung sichert die Aufmerksamkeit von Presse und Publikum und mehrt im Idealfall den Ruhm des Hauses. Zweit- oder Drittaufführungen sind da weniger spektakulär. Aber auch sie werden honoriert, sofern sie ein Stück neu beleuchten. Vor zwei Jahren spielte die Staatsoper Hannover Manfred Trojahns «Orest» überzeugend nach. Jetzt gab es Detlev Glanerts 2006 uraufgeführte Oper «Caligula», und wieder behauptete man sich gegen die Vor-Bilder.

Dass eigentlich eine Uraufführung geplant war – Giorgio Battistellis «Lot» wurde nicht rechtzeitig fertig und wird in der kommenden Spielzeit nachgereicht –, schmälert das Verdienst der Produktion nicht.

Regisseur Frank Hilbrich widersteht der Versuchung, den römischen Kaiser mit dem üblen Ruf als bloßes Stereoptyp zu zeigen. Ob Blendung, Schändung oder Meuchelei: In Hannover werden nicht dick Blut und Sperma aufgetragen, sondern die Abgründe der Figur ausgeleuchtet.

Volker Thiele hat dafür eine Bühne mit drei schwarz-weiß schraffierten Spielebenen geschaffen. Die Geschichte spielt so in einem zeitlosen, im Zweifelsfalle eher heutigen Raum. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Heisser Flirt

Tiefer in die Archivkiste kann man kaum greifen: Innerhalb von fünf Wochen bringt die Komische Oper Emmerich Kálmáns allerletzte, 1954 posthum in Basel uraufgeführte Operette «Arizona Lady» heraus und gleich danach «Eine Frau, die weiß was sie will!», komponiert 1932 von Oscar Straus für Fritzi Massary. Beide Stücke sind wahrlich keine Meisterwerke – und doch...

Aus dem Leben eines Taugenichts

In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie....

Dem Menschen auf der Spur

In einem im Programmheft abgedruckten aufschlussreichen Gespräch legt Brigitte Fassbaender ihr Credo in Sachen Opernregie dar: «Das Wichtigste auf der Bühne sind und bleiben die Sänger, die Menschendarsteller», heißt es da, und «wenn ein Regisseur, der Oper macht, keine Noten lesen kann und aus dem CD-Booklet inszeniert, verstehe ich das nicht, denn die erste...