Wider die Ideologie der absoluten Musik
Titel, Untertitel und Klappentext von Leon Botsteins Buch führen den Interessenten in die Irre. Die sechs Aufsätze des renommierten amerikanischen Dirigenten und Musikwissenschaftlers handeln nicht von «Macht und Ohnmacht der Musikgeschichte», wie der Verlag insinuiert, sondern sind einlässliche rezeptionsgeschichtliche Studien zu Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler, Schönberg und Berg. Ihr Reiz, aber auch ihre Crux liegen in der mal stärker, mal laxer verknüpften Verbindung von zeitgenössischer Wiener Umwelt und musikalischer Botschaft.
Vor allem in den Porträts von Schubert und Brahms rücken die spezifischen Lebenswelten der beiden Komponisten – bei Schubert die Verortung im trostlosen Alltag der Metternich-Zeit mit seinen prekären Lebensumständen, bei Brahms die Einbindung in die bürgerliche Wiener Musikkultur – ins Zentrum der Darstellung. Während bei Schubert der Brückenschlag zur Musik als «Medium eines psychologischen und gegenständlichen Realismus» allzu kurzschlüssig scheint, eröffnet die Verknüpfung der von Helmholtz’ «Lehre von den Tonempfindungen» ausgelösten und von der zeitgenössischen Popularästhetik aufgenommenen Physiologie der Wahrnehmung mit Brahms’ ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Das Leben ist kein Ponyhof? Mag sein. Dafür ist die Opernbühne manchmal ein Bestiarium. Da findet man Ziege, Pferd, Hund und Katze und natürlich jede Menge Vögel, die nicht nur tirilieren, sondern sogar Wagner’sche Reime von sich geben können. Zu Titelrollen haben es aber nur wenige Tiere gebracht: Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» zum Beispiel, in diesem Spätwerk...
Markus Eiche
Residenzverträge an der Wiener Staatsoper und Bayerischen Staatsoper in München, Einladungen aus aller Welt. Doch Oper ist nicht das Einzige, was Markus Eiche (Jahrgang 1969) interessiert. In Bayreuth wird er diesen Sommer im «Tannhäuser» den Wolfram singen.
Sasha Waltz
Halb zog er sie, halb sank sie hin: Richard Wagner und Sasha Waltz – dieses Gespann...
Für die vier «Klassiker» der tschechischen Musik war die Oper kein Nebengleis. Das immerhin haben Bedrich Smetana, Antonin Dvorák, Leos Janácek und Bohuslav Martinu gemeinsam. Smetana, der Älteste, figuriert als Schöpfer der tschechischen «Nationaloper» – zum Teil späte Selbststilisierung, zum Teil von der Nachwelt erteiltes Attribut. Eine gewisse Berechtigung...
