Paralleluniversum, Volkshochschule
Dem bequem Üblichen und Überkommenen, dem Gewohnheitsgeplapper hat Nikolaus Harnoncourt sich stets entzogen. Auch und vor allem in der Musik. Nicht, dass man mit seiner Interpretation von Mozarts «Zauberflöte» 2012 bei den Salzburger Festspielen immer d’accord war. Manches schien doch ein wenig nach gewolltem «Anders-als-die-anderen» zu riechen, und man konnte die hoch geschätzte Korrespondentin einer großen deutschen Tageszeitung verstehen, die dem Dirigenten «altmeisterlichen Manierismus» vorwarf.
Doch wenn man Harnoncourts Lesart nun auf DVD nachprüft, überzeugt sie in ihrer Radikalität. Der dynamische und agogische Ausnahmezustand, all die Rubati, Fermaten, Generalpausen, die verzögerten Auftakte, die extremen Ritardandi, die plötzlichen Stauchungen putzen die Ohren, lassen das Stück quasi neu entstehen. Mozarts Sonne wirft bei Harnoncourt und seinem Concentus Musicus ganz ungewöhnliche Schatten, man wähnt sich quasi in einem Paralleluniversum.
Die Sängerriege indes ist von unterschiedlicher Qualität, doch dank Harnoncourt darf man hier getrost die Augen schließen und die Fantasie auf die Hörbühne schicken, denn was der Regie (Jens-Daniel Herzog) zum Stück einfiel, diese ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 39
von Gerhard Persché
Herr Villazón, Sie singen viel, aber mittlerweile inszenieren auch Sie fast so viel wie hauptberufliche Regisseure. Wann haben Sie eigentlich die Zeit gefunden, das Buch zu schreiben? Zwischen zwei und vier Uhr morgens?
Zu Beginn des Prozesses nehme ich, wenn immer ich kann, hie und da ein, zwei Stunden Zeit zum Schreiben, später sind es oft ganze Tage am Stück. Ich...
Frau Aikin, Sie haben fünfzehn Jahre in Italien gelebt. Warum wollten Sie da weg?
Das hatte zum einen private Gründe. Es war aber auch eine Entscheidung für den Beruf. Als amerikanische Sängerin, die hauptsächlich deutsches Fach singt, sah ich in Italien keine Zukunft mehr. Ich will singen, und ich will unterrichten. In Deutschland habe ich ganz andere...
Dass der Tonträgermarkt sich gern an Jubiläen orientiert, um für seine Produkte ein möglichst großes Maß an Aufmerksamkeit zu nutzen, ist ein altbekanntes Phänomen. Eine Lied-CD, die zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs erscheint und Werke präsentiert, die überwiegend das Thema Krieg thematisieren, ist unter den Gedenkjahresangeboten allerdings eine...
