Charmeloser Schick
Es gibt Inszenierungen, die kommen mit einer einzigen szenischen Idee aus und sind dennoch großartig. Der Hamburger «Rosenkavalier», eine Übernahme aus dem koproduzierenden Helsinki, gehört nicht dazu. In altbewährter Zusammenarbeit mit seiner Gattin hat Marco Arturo Marelli (Regie, Bühnenbild, Licht) das Kunststück fertiggebracht, einen charmanten, witzigen, melancholischen Opernklassiker gleichsam auf den Boden des Designschicks zu holen. Im Bühnenhimmel prangt ein großer Spiegel, der beständig die Räume und das Geschehen unter sich zeigt.
Als da wären: ein wunderbares Himmelbett, ein auf Hochglanz polierter Salon, ein anrüchiges Etablissement. Außerdem sehen wir voll Staunen ein langsam vorbeiziehendes Mosaik (hübsch, aber irgendwie verschwommen) oder eine ganze Allee von Bäumen (grell und kitsch-künstlich leuchtend). Oft schaut man an diesem Premierenabend auf die Spiegeleffekte, denn was sich darunter auf der profanen ird’schen Bühne abspielt, ist eher vernachlässigenswert. Viel Geld wurde investiert, um das umfangreiche Personal des «Rosenkavalier» in eine Unzahl blankgeputzter Edelklamotten zu stecken. Der Regisseur setzt vorwiegend auf, nett formuliert, Standardgesten und ...
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