Editorial Juni
Das klingt gut. Erstmals gibt es einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkung. Es gehe darum, «endlich Perspektiven für reifere Talente zu schaffen», erklärt Josef Protschka, Tenor und ehemaliger Rektor der Kölner Musikhochschule. Noch bis 7. Juni werden Bewerbungen entgegengenommen (www.artopera.de). Natürlich wird auf die von Protschka geleitete Jury eine Flut von Einsendungen zukommen. Und es wird nicht ganz leicht sein, die Richtigen zum Vorsingen auszuwählen. Dennoch ist die Initiative überfällig.
Endlich soll den Mechanismen des Sängermarktes Widerstand entgegengesetzt werden. Wettbewerbe für die Jungen gibt es mehr als genug. Und seit jeder Intendant als Entdecker von Talenten auftreten will, ziehen sich die Häuser ihren Nachwuchs selbst heran. Was aber passiert, wenn jemand nach einem Fachwechsel keinen Boden unter die Füße bekommt? Oder mit einem Intendantenwechsel einfach gekündigt wird, obwohl sie/er beim Publikum beliebt ist? Und wo kommen diejenigen unter, die genau wissen, dass ihre besten Tage vorbei sind, die aber durchaus noch künstlerisch etwas zu sagen haben und gern auch kleinere Rollen übernehmen? Die staatliche Bühnenvermittlung gerät da (viel zu) oft an ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
«I bin a ringlgschbüübsizza und hob scho sim weiwa daschlogn..» (Ich bin ein Ringenspielbesitzer und habe schon sieben Weiber erschlagen), prahlt H. C. Artmanns «Blauboad» vom Wiener Praterstern. Doch der traditionelle Frauenmörder hat ausgespielt, die Männer haben ihre Deutungshoheit über den Stoff verloren. Bereits 1907 – in einer Zeit, da das Frauenwahlrecht in...
Vielleicht ist «Tannhäuser» heute die am schwierigsten zu inszenierende Wagner-Oper? Der Sündenfall des Venusbergs ist in Zeiten von Patchwork-Beziehungen und allgegenwärtiger Pornografie ja nur noch schwer plausibel zu machen. So scheint fast zwangsläufig, dass heutige Regisseure die Kategorien von Schuld und Sühne aufzuweichen geneigt sind und für die einst...
Huiiiiiiiiii. Eine Hand sirrt durch den Dschungel. Trifft auf einen stehenden Zierteich, volles Rohr. Splashshshshshshshsh. Zoooooooooom. In Zeitlupe schießt die Fontäne auf, zerstiebt in Myriaden Tropfen, zu einer Glitzerwolke, die direkt vor unserer 3D-bebrillten Nase tanzt. Ein Naturschauspiel aus dem Computer, perfekte Simulation. Unwillkürlich fühlen wir nach,...
