Bitte recht neblig
Mit Franchettis «Germania» und Gnecchis «Cassandra» hat Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin auf den hierzulande kaum bekannten «Wagnerismo» aufmerksam gemacht, der sich in Italien der Generation der um 1870 geborenen Künstler bemächtigte. Noch bis 8. April zeigt der Palazzo Fortuny in Venedig eine Schau, die das Phänomen in der italienischen Bildenden Kunst der Jahrhundertwende in 150 teils gigantischen Exponaten beleuchtet («Fortuny e Wagner.
Il wagnerismo nelle arti visivi in Italia»; Katalog: Skira, Genf 2012, 216 Seiten + CD: Wagner-Transkriptionen italienischer Komponisten des 19. Jahrhunderts, Orazio Sciortino, Sony; fortuny.visitmuve.it). Das meiste davon muss als Kitsch bezeichnet werden. Gleichwohl erlöste der «mistico» Wagner die Maler aus den Fesseln des Naturalismus, sozialer Themen und niederdrückender Gegenwart und setzte die Fantasie frei. Die 47 zum Teil großformatigen Tafeln Mariano Fortuny y Madrazos (1871-1949), der sich nach seinem Bayreuther Damaskus-Erlebnis 1891 auch mit Beleuchtungsexperimenten beschäftigte und 1900 für Toscanini an der Scala «Tristan» ausstattete, schwelgen in nebligen Bergklüften «al stile germanico», mediterran-bunten Blumenwiesen ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Boris Kehrmann
Wären «Die Feen» (1833) nicht von Wagner – kein Mensch würde sich für diesen Aufguss barock-romantischer Ritter- und Zauberspektakel interessieren. Es gibt wichtigere und bessere Stücke der Zeit und des Genres, wie Fouqués «Undine», Spontinis «Agnes» und Offenbachs «Rheinnixen». Auch Meditationen darüber, dass der Komponist erst 20 war, sind nicht abendfüllend....
Edel sieht er aus, hilfreich und gut. Ein Mode-Designer muss ihn eingekleidet haben. Graues T-Shirt, lässig ausgebeultes, schwarzes Sakko, der Umhang anthrazit. Die schwarzen Locken wirken leicht gegelt und sind in die Stirn gekämmt. Ein Dreitagebart rahmt das Gesicht. Der Blick ist nach vorne gerichtet, selbstbewusst, aber nicht aufdringlich. Keine Frage: Dieser...
Paul Hindemith ist ein seltener Gast auf der Opernbühne. Vor Kurzem hat Bonn das frühe Einakter-Triptychon gespielt (OW 11/2012), jetzt wagt Münster sich an die Zeitsatire «Neues vom Tage», die 1929 an der Berliner Krolloper uraufgeführt wurde. Hindemith hat sich für dieses musikalische Spektakel mit dem Kabarettpoeten Marcellus Schiffer zusammengetan, der ihm ein...
