Kabalen und Liebe
Vor zwei Jahren träumte er noch. «Mir schwebt vor, möglichst viele Formen der Gegenwartskunst in diese Mauern zu holen, Film, Literatur, bildende Kunst, jede durchaus in ihrem eigenen Recht, und sie zum Austausch mit der Kunstform Oper zu provozieren», hatte Seán Doran, von Herbst 2003 an Künstlerischer Chef der English National Opera, dem Schreiber dieser Zeilen im Interview gesagt. Verwirklichen konnte Doran seine Pläne nur zum geringeren Teil.
Denn im November vergangenen Jahres wurde der Ire von seiner Position in einem internen Coup «zurückgetreten» – vom «Chairman of the Board» Martin Smith, der ihn selbst aus dem Hut gezaubert hatte. Das Haus wird seither von Dorans ehemaligen «Leutnants» John Berry und Loretta Tomasi geführt, Ersterer für die künstlerische, Letztere für die administrative Seite verantwortlich.
Nur wenige Wochen nach Dorans Abgang trat Smith selbst zurück – nach massiven Protesten namhafter Künstler über seinen autoritären und zugleich in der Sache unprofessionellen Führungsstil (er wollte ein Opernhaus wie sein eigenes Maklerunternehmen führen, hatte sich bereits mit Dorans Vorgänger Nicholas Payne und auch mit dem Musikdirektor Paul Daniel überworfen). Im ...
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