Doppelgriff
Unter all den Projekten zum Wagner-Jahr ist es vielleicht das aussagekräftigste: keine musikalische Überschreibung, keine szenische Reibung, sondern eine musikhistorische Verortung. Marc Minkowski dirigiert den «Fliegenden Holländer» doppelt, zum einen jene Frühfassung, die Richard Wagner 1841 im Pariser Vorort Meudon komponierte, zum anderen «Le Vaisseau fantôme» aus der Feder von Pierre-Louis Dietsch, uraufgeführt im November 1842 an der Académie Royale de Musique, also jenem Opernhaus der französischen Hauptstadt, dessen Publikum Wagner so gern erobert hätte.
Doch Léon Pillet, der Intendant des Hauses, zeigte sich lediglich an dem Stoff interessiert. 500 Francs für die Prosaskizze – dieses Angebot konnte der mittellose Deutsche nicht ablehnen. Zwei französische Librettisten brachten die Story daraufhin in eine Form, die dem französischen Zeitgeschmack entsprach, Dietsch vertonte die konventionellen Verse in jenem eklektischen, französische Deklamation und italienischen Belcanto kombinierenden Stil, mit dem Meyerbeer, Auber und Halévy Erfolge feierten. Weil die Inszenierung mäßig geriet, verschwand das «Vaisseau» allerdings nach nur elf Aufführungen in der Versenkung.
Durch die ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Frederik Hanssen
Mit Recht durfte sich Irland im Oktober ein paar Tage lang als Nabel der Opernwelt fühlen – nicht nur wegen des Wexford Festivals, sondern auch dank der von Antony McDonald stilsicher und geschmackvoll eingerichteten Neuproduktion von Gerald Barrys meisterhafter Oper «The Importance of Being Earnest» in Derry/Londonderry.
In Wexford präsentierte man in drei Tagen...
An der Längswand des von Alban Ho Van auf die Bühne der Oper zu Lyon gebauten modern-zeitlosen Refektoriums steht das Motto «Nous avons cru à l’amour de Dieu pour nous» («Wir haben an die Liebe Gottes zu uns geglaubt»): ein Satz wie in Asche liegend, zugleich ein verborgen glühender Text. Er nimmt das Sterben der Alten Priorin vorweg, ihr entsetztes «Dieu nous...
Die Zauberin Armida, die gegen ihren Willen dem Kreuzritter Ronaldo verfällt, hat auch einer Menge Komponisten der letzten 400 Jahre den Kopf verdreht. Von Lully bis Dvorák – wer hat nicht alles die Story vertont! Gluck tat es 1777 in Paris, bereits als berühmter Opernreformer. «Armide» hat allerdings nicht die Stringenz und dramatische Kraft seiner anderen...
