Aus dritter Hand

Berlin, Händel: Theseus

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Die Castorf-Epigonen gehen um. Zwei lebendige Momente hatte Benedikt von Peters Inszenierung von Händels «Teseo» (1713) an der Komischen Oper immerhin: Der eine ereignete sich nach fünfundvierzig Minuten, als zu den Klängen der feierlichen ­Ouvertüre der Eiserne Vorhang hochfuhr und den Blick auf das verregnet-morastige Schlachtfeld vor Athen freigab. Die Ouvertüre wurde zwischen den ersten und zweiten Akt verlegt, um das pathetische Bild trostloser Schönheit, schöner Trostlosigkeit zu ermöglichen.

Als die Zauberin Medea nach einer weiteren Stunde die Insassen des Kriegsbunkers laut Display aus dem Morast in eine «Wüste» versetzte und sich zu diesem Zweck eine Waggonladung Heilschlamm über den Köpfen der Bedauernswerten entlud, erweckte der Dschungel-Camp-Gag den unter der bleiernen Kunstanstrengung dahindämmernden Zuschauerraum immerhin sekundenweise zu heiterem Leben.
Von Peter (Götz Friedrich-Preis 2007; Heidelberg, Berlin, demnächst Frankfurt) möchte mit Händels Lib­retto vorführen, wie Krieg die Menschen seelisch verwüstet. Dazu zeigt er sie erst in einer «Huis clos»-Situation im Kommandobunker, dann in einem «Mutter Courage»-Setting auf dem Schlachtfeld. Nach dem Sieg – der ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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