Aus dritter Hand
Die Castorf-Epigonen gehen um. Zwei lebendige Momente hatte Benedikt von Peters Inszenierung von Händels «Teseo» (1713) an der Komischen Oper immerhin: Der eine ereignete sich nach fünfundvierzig Minuten, als zu den Klängen der feierlichen Ouvertüre der Eiserne Vorhang hochfuhr und den Blick auf das verregnet-morastige Schlachtfeld vor Athen freigab. Die Ouvertüre wurde zwischen den ersten und zweiten Akt verlegt, um das pathetische Bild trostloser Schönheit, schöner Trostlosigkeit zu ermöglichen.
Als die Zauberin Medea nach einer weiteren Stunde die Insassen des Kriegsbunkers laut Display aus dem Morast in eine «Wüste» versetzte und sich zu diesem Zweck eine Waggonladung Heilschlamm über den Köpfen der Bedauernswerten entlud, erweckte der Dschungel-Camp-Gag den unter der bleiernen Kunstanstrengung dahindämmernden Zuschauerraum immerhin sekundenweise zu heiterem Leben.
Von Peter (Götz Friedrich-Preis 2007; Heidelberg, Berlin, demnächst Frankfurt) möchte mit Händels Libretto vorführen, wie Krieg die Menschen seelisch verwüstet. Dazu zeigt er sie erst in einer «Huis clos»-Situation im Kommandobunker, dann in einem «Mutter Courage»-Setting auf dem Schlachtfeld. Nach dem Sieg – der ...
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Die prekäre Finanzlage seines Londoner Opernunternehmens setzte bei Händel ab Mitte der 1720er Jahre einen Extraschub an kreativer Energie frei. Jede seiner Opern aus dieser Zeit ist zugleich ein Stück praktische Marktforschung nach dem Trial-and-Error-Prinzip: Nachdem er noch im Ende 1727 uraufgeführten «Riccardo Primo» (siehe OW 3/2008) versucht hatte, das...
Es gerät leicht in Vergessenheit, dass die Titelpartie von Richard Strauss’ «Elektra» nicht nur ein Vehikel für hochdramatische Soprane ist, sondern zu mindestens fünfzig Prozent aus lyrischen Passagen besteht. Nicht nur die durchdringenden «Agamemnon»-Rufe, sondern auch die zaghaft aufblühende Hoffnung der Orest-Szene prägen den Charakter der Atriden-Prinzessin,...
Sie hatte einen wunderbar präzisen Humor. Als Inga Nielsen, noch ganz junge Sängerin, einen Vorsingtermin bei Herbert von Karajan bekam, war sie verständlicherweise aufgeregt. Der Maestro mit den stahlblauen Augen fixierte sie scharf und sagte etwas wie: «Nun seien Sie doch nicht nervös. Wir wollen nur ein bisschen Musik machen.» Sie konterte: «Wären Sie etwa nicht...
