Resonanzräume
Schon als Jugendlicher hat sich Wolfgang Rihm mit dem Klavierlied beschäftigt. Und die intimste, fragilste Form der Verschmelzung von Sprache und Musik bis heute als besondere Herausforderung begriffen. Von Text-Vertonungen kann man bei ihm nicht sprechen: Literarische Vorlagen – in der Regel Lyrik von semantisch offener, dichter Vielstimmigkeit – sind nicht bloß Anlass oder Stoff, sondern Medium der Klangkonstruktion; Tonsatz und Stimmführung treten nicht hinzu, sie gehen in Laut, Wort und Phrase auf.
So entstehen Resonanzräume, in denen sich auch Gehalt und Gestalt der Dichtung verwandeln.
Wie organisch Rihm – die Tradition von Schubert bis Britten und Wolf bis Reimann im Kopf wie im Herzen – die Sphären zu verbinden versteht, haben der Bariton Hans Christoph Begemann und der Pianist Thomas Seyboldt immer wieder beispielhaft vorgeführt. Wohl kein zweites Lied-Duo ist mit dem Karlsruher Komponisten so vertraut. Die vor vier Jahren veröffentlichte Sammlung von Liedern nach Goethe und Schiller («CD des Monats» der OW-Ausgabe 9-10/2016) bezeugt das ebenso wie das unlängst erschienene Recital «Dort wie hier»: eine in 22 Stücke gegossene bewegende Meditation über Zeit, ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
Frau Kermes, Sie haben Ihre Kollegin Cecilia Bartoli vor Kurzem auf Twitter gedisst, wegen des Covers der «Farinelli»-CD, wo sie ausschaut wie Conchita Wurst …
Naja, Conchita Wurst gibt’s ja nicht mehr, sie ist längst wieder ein Mann mit kurzen Haaren. Außerdem hatte Farinelli nie einen Bart. Mir tut es einfach leid, weil viele Menschen sich darüber lustig machen....
Gender bending, gender crossing – es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die Duden-Redaktion diese Begriffe dem deutschen Wortschatz zuschlägt. Längst sind sie dem akademischen Milieu ent- und in der Alltagssprache angekommen. So wie das inszenierte Spiel mit verkehrten oder gemischten Geschlechterrollen, die Lust auf androgyne Entgrenzung seit geraumer Zeit im...
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und...
