Suggestive Stille

Wuppertal, Sciarrino: Macbeth

Opernwelt - Logo

Die Bühne ist leer. Kein Thron, kein Schloss, kein Wald. Nur dieser große, dunkle Kasten, mit einem leeren Podest in der Mitte. Von der Seite fahren manchmal Paneele auf die Szene, geräuschlos, wie von Geisterhand geführt. Abstrakte Schutzschilder, hinter denen bald Macbeth und die Lady, bald Duncan, Banquo oder Macduff auftauchen und wieder verschwinden. Nachtgestalten einer schwarzen Tragödie, die Shakespeares Meditation über die Abgründe der Macht tief ins Innere der menschlichen Seele verlegt.

Am Boden ausgestreut, kaum zu erkennen, liegen Messer, unscheinbare Ornamente der allgegenwärtigen blutigen Gewalt. Zeichen auch für die Messer im Kopf, in unseren Köpfen – das eigentliche Thema von Salvatore Sciarrinos grandioser Kammeroper «Macbeth».
Die drei aus Shakespeares weltweisem Text destillierten namenlosen Akte («Tre atti senza nome») – so lautet der Untertitel des vor vier Jahren in Schwetzingen uraufgeführten Stücks – kennen keine griffige Aktion, keinen linearen Verlauf. Sie zeichnen vielmehr jene Verheerungen des Fühlens und des Denkens nach, die den fatalen Taten Macbeths vorausgehen. Mit einer Musik, die aus der Stille kommt und immer wieder in sie zu­rückfällt; einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ideal für den Sommer

Ein Abend ohne Fußball. Auf den Rasenflächen des Bockenheimer Depots hoppeln Kaninchen. Dreischiffig wie eine Basilika liegt das alte Straßenbahndepot da. Ziegelmauern und eine filigrane, hölzerne Dachkonstruktion. Drinnen eine nach vorn abfallende Holzbühne. Darauf das verkleinerte hölzerne Skelett des Depots. Dahinter ein Sommerhimmel, weißblau (Ausstattung:...

Die Welt ist dümmer geworden

Am Montag, dem 12. Juni befand ich mich am frühen Abend mit dem Auto in der Nähe des Holledauer Dreiecks. Links und rechts Hopfenfelder. Um sechs Uhr meldete der Nachrichtensprecher im Radio: «Der Komponist György Ligeti ist heute Vormittag in Wien gestorben. Er war dreiundachtzig Jahre alt.» Die Nachricht wirkte auf mich wie Schock, überwältigend trotz der langen...

Von Lebenselixieren und grauen Wölfen

Zürich hat Opernfestspiele gefeiert. Wie jeden Sommer zum Abschluss der Spielzeit. Eine thematische Bündelung oder gar künstlerisch innovative Planung kennt man dafür seit Jahren nicht mehr. Sängerstars geben sich die Klinke in die Hand. Ein Konzept, das Stückwahl, Regieteam und Solistenengagements aufeinander beziehen würde, war auch diesmal kaum auszumachen....