Everybody's Darling
Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner Peter Pears in der Uraufführung 1951 den Kapitän sang). Entsprechend oft hat man hier viel nackten Thorax gesehen. Viel geölte Muskeln.
Und Star-Sänger, für welche der Begriff – innerhalb der Queer-Community der Oper – nicht zu Unrecht gebildet wurde.
Die mit der Londoner English National Opera und dem Bolschoi Theater koproduzierte Inszenierung von David Alden geht einen anderen Weg. Der kleine, ungewaschene Kerl mit den fettigen Haaren, der hier als Zwangsrekrutierter an Bord der «Indomitable» kommt, fällt kaum weiter auf. Er ist ein Everyman’s Billy. So wird die Faszinationskraft, die er auf die Mannschaft ausübt, ganz und gar zum Gegenstand von Projektion und psychologischer Konstruktion. Eine Sichtweise, die zumindest der Roman-Vorlage von Herman Melville besser entsprechen dürfte als jede andere Interpretation. Das ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Kai Luehrs-Kaiser
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
Tamerlano» (1724) wird von Händel-Kennern wegen seiner harmonischen Kühnheit und der atemberaubenden Selbstmordszene des türkischen Sultans Bajazet, eine der raren großen Tenor-Partien der Opera seria, geschätzt, vom Publikum aber eher als spröde gefürchtet. Mit diesem Eindruck macht Riccardo Minasi jetzt Schluss. Seine Tempi zielen nicht auf vordergründigen Drive,...
