Schlachthof
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der ungarische Theatermann Árpád Schilling in seiner ersten Operninszenierung zum berühmten «Rákóczi-Marsch» am Ende des ersten Teils die Titelfigur rhythmisch stampfen lässt und Bilder aus einem Schlachthof zeigt, in dem Schw
eine zerlegt werden. Ungarn, das Fleisch-Land par excellence, ist nur einer der Schauplätze einer vielschichtigen, verstörenden, spannenden Produktion, die krass ausstellt, dass der Mensch womöglich die grausamste Bestie der Schöpfung ist.
In der ersten Szene zeigt Bühnenbildner Márton Ágh die Postkartenansicht eines malerischen Sees, es könnte der Balaton sein: Doktor Faust hat es zu etwas gebracht, er kann vom Schlafzimmer seines Bungalows direkt in den See hüpfen. Zum Lebensglück fehlt ihm nur eine Partnerin. Die Regie hat die Figur gleichsam tripolar aufgespalten, dem Gelehrten einen jungen, ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Sigfried Schibli
Er war ein glücklicher Sisyphos. Einer, der sich nie entmutigen ließ. Selbst von der tödlichen Krankheit nicht, die ihn befallen hatte. Gerard Mortier ahnte, dass er den 31. Mai womöglich nicht mehr erleben würde. Den Tag, an dem wir ihm in Graz den ersten «Mortier Award» überreichen wollten: eine von Alexander Polzin geschaffene «Sisyphos»-Figur. Aber natürlich...
Fortschreibung
Der 100. Geburtstag Benjamin Brittens wirkt nach: Ungewöhnlich viele Häuser nehmen Werke des zweiten Orpheus Britannicus neu in den Spielplan. Die Deutsche Oper am Rhein etwa schließt mit «Death in Venice» ihren Zyklus, Bielefeld zeigt «The Rape of Lucretia» (Foto), Oldenburg und Gelsenkirchen haben sich «Albert Herring» vorgenommen.
Festspielzeit
Erst...
Tamerlano» (1724) wird von Händel-Kennern wegen seiner harmonischen Kühnheit und der atemberaubenden Selbstmordszene des türkischen Sultans Bajazet, eine der raren großen Tenor-Partien der Opera seria, geschätzt, vom Publikum aber eher als spröde gefürchtet. Mit diesem Eindruck macht Riccardo Minasi jetzt Schluss. Seine Tempi zielen nicht auf vordergründigen Drive,...
