Wenn das Wünschen doch helfen würde!

Robert Carsen macht den Berlinern an der Deutschen Oper mit Prokofjews Liebe zu den drei Orangen Mut

Opernwelt - Logo

Ganz schön krass, diese Früchtchen. Berliner Ge­wächse, allesamt. Kess, ein bisschen vorlaut, selbst­bewusst. Prinzessinnen aus der Kiste. «Komische Oran­ge» steht auf der einen, «Staatsorange» auf der zweiten, «Deutsche Orange» auf der dritten. Kichern erwünscht. Robert Carsen hat an der Deutschen Oper Prokofjews absurdes, surrealistisch überdrehtes Opernmaskenspiel nach Carlo Gozzi und Wsewolod Meyerhold als bildersatte Liebeserklärung an Berolina inszeniert – für den kanadischen Regisseur eine der wichtigsten ­Musen der modernen Theater-, Varieté- und Filmkunst.

Kaum sind die drei Damen den in BSR-Color leuchtenden Gehäusen entstiegen, machen sie schon auf Weltniveau (Büh­ne: Paul Steinberg; Kostüme: Buki Shiff). Felsensteinisch, in der Landessprache die Erste, auf Ufa-Lindenopern-Diva geföhnt die Zweite, mit geflügeltem Walküre-Germania-Helm die Dritte. Doch nur eine darf laut Libretto überleben – natürlich ist es der weiße Engel aus der größten, der Deutsche-Oper-Kiste. Dafür sorgt der Chor der Spötter, eine umtriebige
Leder-Sponti-Truppe, die sich immer wieder in die Hand­lung einmischt. Wenigstens in Carsens knallbunter Rallye durch die (Berliner) Theatergeschichte geht so ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
«Ich brauche das Publikum»

Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam...

Gefördert, verfolgt, vergessen

Bergamo, Teatro Donizetti, Anfang Dezember. Ein singuläres Theaterereignis. Und gleich mehrere Gründe, sich die Augen zu reiben. Ein Menschenalter hat es gedauert, bis Aldo Finzis einzige Oper zum ersten Mal gegeben wird. Für den hochbegabten, polyglotten Abkömmling einer jüdischen Familie aus Mantua, der 1897 in Mailand zur Welt kommt, ein Musikstudium am...

Porträt im Spiegel

Faustina Bordoni, verheiratete Hasse (1697-1781) war die erste Primadonna der Operngeschichte, noch vor ihrer Kollegin und Rivalin Francesca Cuzzoni; im Charakter wohl angenehmer und weniger launenhaft als jene, die Händel wegen ihrer Kapricen einmal beinahe aus dem Fenster geschmissen hätte. Doch wie hat die Bordoni geklungen? Der Flötist Johann Joachim Quantz,...