Liebesbande
Im Gebälk blitzt es. Die Götter machen Radau, fordern Aufmerksamkeit. Immerhin haben sie gerade die schöne Galathea von einer Elfenbeinstatue in eine Dame aus Fleisch und Blut verwandelt. Es ist dies die Schlüsselszene in Gaetano Donizettis Opernerstling «Il Pigmalione». In Duisburg misslingt sie leider. Denn schon von Beginn an spaziert Galathea (schillernd: Lavinia Dames), Liebesideal ihres Schöpfers Pygmalion, quicklebendig über die Bühne.
Und mit ihr sämtliche sonstige Figuren in der Werkstatt des Bildhauers, die da pausenlos zwischen antikisierten Säulen und wallenden Vorhängen (Bühne: Leif-Erik Heine) umherirren.
Das Werk ist einer von zwei Einaktern, die im Rahmen von «Young Director», einer Plattform für Nachwuchsregisseure, an der Deutschen Oper am Rhein gespielt werden. Volker Böhm fehlen die Einfälle, das (zugegebenermaßen schmalspurige) Sujet zu beleben. Durch Lichteffekte und Rauchmaschinerie einerseits, allerlei romantisierendes Gerümpel (regnende Rosen und Kerzenlicht) andererseits versucht er diesen Mangel zu überpinseln. Das Resultat: Seifenopernfeeling. Immerhin beeindruckt Ovidiu Purcel in der Titelpartie mit einer auf Hochglanz polierten Belcantostimme, führt ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Thilo Braun
Die Vorstellung ist, horribile dictu, absurd. Ewige Nacht. Es wäre ein Leben ohne Licht, ein Dasein im Dunkel, hoffnungslos-haltlos. Doch kaum vernimmt man die ersten Töne aus Robert Johnsons «Care-charming sleep», hat man die Sorgen schon vergessen. Ein ätherisches Wesen scheint, von irgendwoher, das Wort an uns zu richten. Und so organisch, so rein und...
Nicola Raab hat im Dezember 2017 gezeigt, dass man Zandonais «Francesca da Rimini» nicht im Plüsch ertränken muss. Der «decadentismo» dieser blutigen Tragödie aus dem Jahre 1914 fokussiert auf Gewalt, wie sie so oft den Umgang zwischen den Geschlechtern konditioniert. In Straßburg hatte sich Raab die Perspektive der Titelheldin zu eigen gemacht. An der Mailänder...
Gilbert-Louis Duprez auf der Bühne – als Arnold in Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell». Gleich muss das berühmte «do di petto» kommen, das mit voller Brust geschmetterte hohe C, das das Publikum zur Raserei und Rossini an den Rand eines Herzinfarkts brachte. Doch es kommt nicht mehr. Vorhang. Nun hat Rossini Mitleid. Er nimmt den gescheiterten Ritter der Hochtöne...
