Heimatlos
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring Twenties war abgeschnitten. Serielle Musik setzte sich in der Fachwelt durch (beim Publikum kaum): Penibel durchkonstruierte Parameter und Elektronik sollten helfen, falsche Subjektivität zu meiden.
Die menschliche Stimme freilich passte dazu ganz und gar nicht: Sie ließ sich nie restlos einbinden ins perfekt berechnete Spiel der Töne. An ihr haftete, ob man wollte oder nicht, ein Rest an Körper, an Emotion, an semantischem Bezug. Wer in den Jahren nach 1945 Opern schrieb, stand deshalb schnell in dem Ruf, reaktionär zu sein.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Der junge Hans Werner Henze, in Wiesbaden fürs Ballett zuständig, pfiff auf die neuen ästhetischen Dogmen und schrieb sich mit «Boulevard Solitude» frei – um wenig später nach Italien auszuwandern. Und als Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» 1948 in ...
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Was verbindet Othmar Schoecks «Notturno» aus dem Jahr 1933 und Heinrich Sutermeisters einaktige Funkoper «Die schwarze Spinne» von 1936 miteinander? Die zeitliche Nähe ihrer Entstehung oder die «schweizerische» Herkunft allein kann es ja wohl nicht sein.
Schoecks Gesänge für Bariton und Streicher beschwören, wie fast alle Werke dieses spätgeborenen Romantikers, in...
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter...
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