Donizetti: La Favorite
Nicht «Spirto gentil», sondern «Ange si pur»: Der junge Klosterbruder, den die Liebe erwischte, lässt sich nun auch in Zürich auf Französisch vernehmen. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass Gaetano Donizettis «Favoritin» sich in der Pariser Urfassung wesentlich genauer den Worten anschmiegt als in der mit links erstellten späteren italienischen Version. «La Favorite» also. Fabio Sartori war jener Fernand, der Léonor, der Mätresse des kastilischen Königs, das Weihwasser reicht und dabei ihre Hand berührt: bis ganz oben fülliger und runder Tenorglanz.
Und Vesselina Kasarova entwickelte wie schon in der Münchner Viotti-Aufnahme mit hell und weich strömendem Mezzosopran die notwendigen Primadonnenqualitäten. Leuchtende Aufschwünge paaren sich mit Orgeltiefen. Dennoch ist Carlo Colombaras Prior Balthazar der Einzige, der wirklich exakt deklamiert: eine Stimmautorität mit Boris-Christoff-Bass. Roberto Servile fiel dagegen mit zu stumpfem und auch nicht hinreichend differenzierendem Bariton ab.
Am Pult, erstmals auf dem Belcanto-Terrain, Marc Minkowski: eine dramatisch hochgeputschte, mitunter fast schon überstürzte Wiedergabe, die vor allem das Drängende, die glühenden Emotionen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Jammer, dass Stephan Suschke nicht Katharina Wagner heißt. Denn dann wäre seine Neuinszenierung der selten gespielten Oper «Das Herz» von Hans Pfitzner im Mainfrankentheater vermutlich auf jene überregionale Resonanz gestoßen, die sie verdient hätte: Die Großkritiker, die zum Regiedebüt der Wagner-Urenkelin 2002 noch alle kamen, sind ausgeblieben. Aber auch...
Das Theater ist eine Zeitmaschine. Wer Platz nimmt, beamt sich durch die Jahrhunderte. So auch in Darmstadt. Hier residiert bekanntlich das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC – Europas Tor zum Weltraum. Wer in die Tiefen des Alls blickt, schaut in die Vergangenheit. Das Licht der Sterne, das heute bei uns ankommt, startete vor unendlichen Zeiten.
Vorwärts in...
War es Zufall oder die Macht des Schicksals? Das Orchester der Vlaamse Opera in Antwerpen, das vor kurzem noch seine Auflösung befürchten musste, spielte nun Giorgio Battistellis Oper «Prova d’orchestra» – ein Werk, das die Geschichte eines revoltierenden Klangkörpers erzählt. Vorlage für diese Komposition, die 1995 in Straßburg uraufgeführt wurde, war Federico...
