Chiaroscuro
Bis zur aktuellen Spielzeit hatte Plácido Domingo nur einen kurzen Blick auf das Repertoire des Barock geworfen: 1966 trat er in Boston an der Seite von Beverly Sills in einer Produktion von Rameaus «Hippolyte et Aricie» auf. Freilich hat er immer wieder betont, dass er sich mit der Musik dieser Epoche weiter beschäftigen wolle. Glucks Baritonpartie des Oreste gibt ihm nun dazu Gelegenheit. Zudem: Domingo gesteht, dass nichts ihm auf der Bühne mehr behagt als zu leiden. In dieser Hinsicht kann Oreste es durchaus mit Siegmund und Don Alvaro, zwei seiner Lieblingspartien, aufnehmen.
Erwartungsgemäß machte Domingo seine Sache nobel, er stattete die Figur mit mannhafter Leidenschaft und viel Düsternis aus. Sein Oreste wirkte, wie es die Rolle verlangt, zugleich imposant und zerrüttet, er formte die Accompagnato-Rezitative in markig-heroischer Manier, wenn auch ohne den sprachlichen Feinschnitt mancher Kollegen. Am Premierenabend sang Domingo mit schallendem Klang, mühelos und gefestigt in den tieferen Registern. Der schlanke, konturschärfere Klang von Paul Groves in der Rolle des Oreste-Gefährten Pylade führte in den Dialogen zu einem schönen Chiaroscuro – trotz einer überraschenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von Londons Bussen sagt man, sie kämen gern «threefold»: eine Zeit lang nichts, dann drei auf einmal. Ähnlich scheint es im Augenblick mit Massenets «Manon». Im Normalfall eher in den Nischen des Repertoires anzutreffen, machten in den letzten Monaten gleich drei verschiedene Produktionen Furore: die Andrej Serbans, die Gaunerwelt des Film Noir zitierend, an der...
Im Juli 2005 auf der Bühne des Prinzregententheaters gezeigt, war Christoph Loys Produktion von Händels «Alcina» einer der größten Erfolge in der Geschichte der Münchner Opernfestspiele. Von einer «frappierenden Lebendigkeit und Frische, aber auch Innigkeit und Tiefe» des Bayerischen Staatsorchesters unter Ivor Bolton wusste «Opernwelt» (siehe OW 09-10/2005) zu...
Topografisch gesehen ist Sydney kaum zu übertreffen. Die Stadt an der Ostküste bietet alles, was das Herz urbaner Nomaden begehrt: das Flair einer dynamischen Metropole, deren himmelstürmende Business-Türme von einer boomenden Wirtschaft künden; den Reiz eines verdichteten Lebensraums am Wasser, das in Gestalt einer weitläufig verästelten Bucht tief ins Land...
