Musikalisch ein Glücksfall
Je länger diese Aufführung dauert, desto stärker keimt ein Verdacht: Womöglich hat man sich bei Wagners «Tristan und Isolde» schon an zu viel gewöhnt. An Dirigenten, die ihr Heil im effektvollen Ertrinken und Versinken suchen und darob ihren Job als strenger Steuermann vergessen. Auch an Orchester, die willig und billig alles mit Emotion fluten, wo doch minutiöse Abstufung und trennscharfes Agieren gefragt wären. Vor diesem Hintergrund ist dem Theater Augsburg ein imponierendes Statement gelungen.
Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in seiner zweiten Saison längst zum Publikumsliebling und zum Energiezentrum des Hauses geworden, glückt dabei mit dem Philharmonischen Orchester eine wundersame Gratwanderung: ein «Tristan» zwischen temperamentvoller Entfesselung und reflektierter Kontrolle. Eine Deutung, die vor allem eines ist: genau gespielt und detailbewusst organisiert wie unter einer überscharfen Linse. Kein Bläserakkord sucht sich da klappernd erst zusammen, jeder Streicherstrom wird kanalisiert und energiereich phrasiert. Der Klang ist prägnant gefasst, geschlossen, klug balanciert. Die Temporelationen stimmen, Übergänge ereignen sich präzise und logisch. Und anstatt die Sänger im ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Markus Thiel
Frau Moses, Sie sind 2009 in Dessau mit dem Anspruch eines politischen Musiktheaters gestartet. Was haben Sie inzwischen bewirkt?
Unser Ziel war es, das bürgerliche Bewusstsein der Menschen hier, das 1989 einmal kurz und heftig aufflackerte, wieder aus der Resignation zu erwecken. Ob uns das nachhaltig gelungen ist, muss die Zeit zeigen. Aber schon aus der Art, wie...
Schon nachvollziehbar, dass just diese Oper zu den Lieblingsstücken Adolf Hitlers gehörte. Denn jenseits der in ihrer schwermütigen Melodik und manchmal auch plakativen Machart an den italienischen Opernnaturalismus – Verismo – erinnernden Musik birgt die Fin-de-Siècle-Geschichte viel Treibstoff für eine «Blut und Boden»-Ideologie: Unverdorbener Junge – Pedro – aus...
Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...
