Reise ins Innere
Nach «Celan» (2001) und «Hölderlin» (2008) hat Peter Ruzicka auch in seinem jüngsten Bühnenwerk mit dem jüdischen Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin das Schicksal einer exemplarisch an Deutschland zerbrochenen Existenz ins Zentrum gestellt. Yona Kims Libretto fokussiert ihn am point of no return: dem spanischen Grenzort Portbou, wo Benjamin auf der Flucht vor den Nazis 1940 Selbstmord beging.
In sieben kaleidoskopartigen, aber keiner Chronologie folgenden Bildern blättert sie rückblickend Stationen seines Lebens und Denkens auf – von der Kindheit im Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Exil in Frankreich. Benjamin wird dabei in der Auseinandersetzung mit seinen engsten Weggefährten – der Ehefrau Dora, der bolschewistischen Geliebten Asja Lacis, der Philosophin Hannah Arendt, dem Jugendfreund Gershom Scholem und Bertolt Brecht – zum Schauplatz der revolutionären Utopien wie der geschichtlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Kim montiert die Gesangstexte aus Zitatfetzen, die sie aus Benjamins Texten herausbricht und metaphorisch verdichtet, verrätselt dadurch die Figuren aber auch zu Allegorien eines intellektuellen Gedankentheaters, dem mit spontaner ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
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