Rarissima aus dem frühen 20. Jahrhundert
Von Wien bis Lyon und Monte Carlo – Kurzopernabende haben im Moment Konjunktur. Lübeck schließt sich dem Trend in dieser Saison gleich zweimal an: Nach «La vida breve» und «Cavalleria rusticana» jetzt (in Koproduktion mit dem «Festival della Valle d’Itria» in Martina Franca) mit den beiden Rarissima «Der Ring des Polykrates» von Erich Wolfgang Korngold und Ernst Kreneks Märchenoper «Das geheime Königreich». Zwei wichtige, substanzreiche, aber heute vergessene Werke aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Zwei reizvolle, lohnende Ausgrabungen.
Korngolds Einakter aus dem Jahr 1918, von Richard Strauss geadelt durch die Aufnahme in sein sogenanntes «Testament» (den 1945 für Karl Böhm zusammengestellten Werkkanon erhaltenswerter Opern), ist eine luftig-leichte Konversationskomödie, in der es um die praktische Anwendbarkeit der in Schillers Ballade über das tragische Schicksal des Tyrannen Polykrates ausgesprochenen Moral geht, man dürfe dem grenzenlosen Glück nicht allzu sehr vertrauen. Um den häuslichen Frieden zu sichern, bricht der jung verheiratete Wilhelm – sozusagen als Opfer für die neidischen Götter – einen scheinbar unmotivierten Ehestreit vom Zaun. Natürlich löst sich ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhart Asche
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