Klang und Körper

Warum entdecken immer mehr Choreografen die Oper? Hartmut Regitz hat sich ihre Aufführungen angesehen und viele Gespräche geführt, unter anderem mit der südafrikanischen Choreografin Robyn Orlin und dem Stuttgarter Hauschoreografen Christian Spuck.

Opernwelt - Logo

Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht weiß, was sie tut, das aber mit einer Insistenz, die sie am Ende den Kopf kostet.

Reinhild Hoffmann positioniert ihre Protagonistin auf dem rechten Teil der diagonal geteilten Bühne Dieter Hackers, und so wie sie Anne Lünenbürger präsentiert, entzieht sich das einer gängigen Rollenvorstellung. Da ist kein Klischee. Das Bewegungskonzept entwickelt sich vielmehr aus dem Körper dieser Salome, und der wirkt in jedem Augenblick authentisch als Ausdruck einer inneren Notwendigkeit: lustvoll und lasziv zugleich. Reinhild Hoffmann ist von Haus aus Choreografin. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie sich und damit die anderen gehen lässt. Selbst den «Tanz der sieben Schleier», wahrhaft eine große Nummer, hat die Opernregisseurin ganz zurückgenommen. «Geradezu ungelenk», wie Guido Fischer in der Frankfurter Rundschau schreibt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 34
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Wintermärchen

Die Versöhnung findet in allerliebstem, allerkitschigstem Fis-Dur statt. «Ich werde dir nie mehr widersprechen, ich will dich auf Händen tragen», flötet die Frau Kapellmeister ihrem Gatten zu. Und nach ein paar sanft kräuselnden enharmonischen Verwechselungen fließt es weiter in der gleichen Tonart: «Du bist mein schöner, reiner, prachtvoller Mann!» Diesen schönen,...

«Dem Scheitern abgerungen»

Der Künstler, schrieb Albert Camus 1942, sei der absurde Mensch par excellence. Obwohl er weiß, dass seine Schöpfungsakte die Unvernunft der Welt nicht ändern, dass seine Werke nur Bilder liefern können von einem Leben, das keinen festen Grund mehr kennt, macht er weiter. Er pfeift auf Gott, bietet dem flatterhaften, grausam kalten Schicksal lächelnd die Stirn,...

Zum Leuchten bringen

Die Krone ist ihm zu groß. Immer wieder schiebt Boris Godunow die monströse Kopfbedeckung nach oben, blickt sich verwundert um, als verstehe er gar nicht, was da passiert, während das Volk auf Befehl ihm, dem neuen Zaren, zujubelt. Bereits in den ersten Augenblicken wird klar: Dieser Mann ist ein Unbeteiligter. Eben hat er noch Trainingsanzug getragen, mehr...