Unterkühlte Sinnlichkeit
Die Regel scheint sich immer mehr zu bewahrheiten: Wenn Olivier Py im Genfer Grand Théâtre inszeniert, ist Provokation vorprogrammiert. Bereits die Kreuzigungsszene in «Damnation de Faust» hatte im Publikum heftigen Protest entfacht. Im Fall des neuen «Tannhäuser» bahnte sich gar, wollte man einigen Medien Glauben schenken, ein handfester Skandal an. Py hatte für die große Venusbergszene der Pariser Fassung einen Pornostar engagiert, der in Frankreich unter dem Kürzel HPG zu großer Berühmtheit gelangt sein soll.
Najaden, Satyrn und Bacchantinnen lässt Py mit viel nackter Haut in überaus künstlichen Choreografien Wagners wortreich beschriebene Lustspiele vorturnen, während Monsieur HPG als Zeus in Stiergestalt mit erigiertem Penis Europa entführt. Ein Skandal hat sich nicht ereignet, und am Ende war die scheinbar so provokative Episode längst vergessen, zu nachhaltig war die musikalische Interpretation, zu exzellent die Besetzung.
Vor allem aber blieb die Venusberg-Szene erstaunlich unterkühlt – was ohne Zweifel zum Konzept der Inszenierung gehört. Olivier Py und Pierre-André Weitz operierten erneut (wie 2004 im «Tristan») mit viel Dunkel, in dem nur aus Neonröhren etwas Licht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Das Schicksal hier in Bonn», schrieb Beethoven 1787, «ist mir nicht günstig» und verließ die Rheinstadt in Richtung Wien. Doch seit den Plänen für ein Beethoven-Denkmal im Todesjahr des Komponisten versucht man dort, die Dinge zu verbessern. So im Ringen um Beethovens Schmerzenskind «Fidelio», für den etwa Nikolaus Lehnhoff 1983 anstelle der Dialogtexte auf die...
Nach Siegfried Matthus’ «Die unendliche Geschichte» in der Spielzeit 2003/2004 setzt das Theater Hagen nun seine Anvancen an die Jugend erfolgreich fort: Die neue Saison begann mit den beiden thematisch eng verwandten Einaktern «L’Enfant et les sortilèges» von Ravel und Oliver Knussens «Wo die wilden Kerle wohnen». Die Regie lag in den Händen Ricardo Fernandos und...
Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» abgeklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und...
