Alles Puccini?
Das Wort von der «Globalisierung» ist irreführend, selbst dort, wo es darum geht, die Realität der Oper im Jahre 2011 zu beschreiben. Denn beim weltweiten Siegeszug dieser originär europäischen Gattung ist gerade nicht ein Ineinandergreifen oder gar eine Verschmelzung unterschiedlicher kultureller Traditionen zu beobachten, sondern der Export einer spezifisch europäischen Form kultureller Repräsentation.
Dennoch möchte ich im Folgenden von dem sprechen, was man gemeinhin Globalisierung nennt, präziser aber als internationale ökonomische Standardisierung bezeichnen sollte: Denn unbestreitbar ist es der Rede wert, dass heute nicht nur Tenöre für italienisch gesungene Opern in Korea rekrutiert werden, dass nationale Sonderformen der Operngeschichte wie die sogenannte «Spieloper» eines Lortzing oder die opéra-comique eines Auber oder Adam vom Mainstream des italienischen Repertoires verdrängt worden sind, dass ein Opernbesucher in den meisten Fällen weder aus dem Besetzungszettel noch aus der Gesangstechnik noch aus dem Orchesterklang und schon gar nicht aus der gesungenen Sprache Rückschlüsse darauf ziehen kann, in welchem Land oder auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.
Nun ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Thema, Seite 30
von Anselm Gerhard
Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe «Platée», der man eingeredet hat, Obergott Jupiter sei ihr verfallen, und die das auch glaubt, bis sie, schon im Brautkleid, grausam enttäuscht und von allen verspottet wird – diese recht herzlose Geschichte kam 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des französischen Thronfolgers mit der spanischen Infantin Maria...
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
Der zweite Akt von Rossinis vorletzter Oper spielt im Schlafzimmer. Das bedeutete 1828 sogar in Paris einen Tabubruch, zumal wenn der schürzenjagende Titelheld sich dort handgreiflich der Schlossherrin zu nähern versucht. Wohl in keiner Oper vor Offenbachs «La belle Hélène» wird so viel schlüpfrige Erotik gezeigt – geradezu atemberaubend in dem Terzett, in dem die...
