Romantische Geister
Charles Gounod, Jahrgang 1818, war nur ein Jahr älter als Louis Théodore Gouvy. Doch beim Studium am Pariser Conservatoire sind sich beide – offiziell – nie begegnet, da Gouvy nicht im Besitz der französischen Staatsbürgerschaft war und er deshalb Privatunterricht bei den Lehrern des Conservatoire nehmen musste. Auch die Rom-Aufenthalte der beiden Komponisten lagen zu weit auseinander – da sich Gouvy zuvor der Juristerei verschrieben hatte – als dass sie sich näher hätten kennenlernen können.
«Dass ein Musiker vom Rang des Herrn Gouvy in Paris noch so wenig bekannt ist, während Schwärme von Mücken das Publikum mit ihrem hartnäckigen Gesumm belästigen, das muss die naiven Geister verblüffen und empören, die noch an den Verstand und die Gerechtigkeit unserer musikalischen Sitten glauben.» Hector Berlioz meinte es durchaus gut mit dem aus Saarbrücken-Schafbrücke (dem ehemaligen Gaffontaine) stammenden und 1898 in Leipzig gestorbenen Louis Théodore Gouvy.
Sechs oratorische Werke – «dramatische Szenen» – hat Gouvy u. a. hinterlassen, davon zwei basierend auf nordischen Stoffen, vier auf Vorlagen des Euripides, eine geht auf Sophokles zurück. Ende Januar 1884 fand in Leipzig die ...
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