Editorial
Am 4. Juli sollte das Festival in Avignon eröffnet werden. Mit Heinrich von Kleists «Prinz von Homburg» und Alain Platels «Coup fatal». Intendant Olivier Py musste die Premieren absagen – wegen eines Streiks. Der «Printemps des Comédiens» in Montpellier? Drei Vorstellungen, der Rest gestrichen. Das Festival d’Aix-en-Provence? Massiv gestört (siehe Seite 4). Und nicht nur Festspielveranstalter sind in Frankreich betroffen.
Die Opéra national de Lorraine in Nancy musste die Uraufführung von Giorgio Battistellis «Il medico dei pazzi» verschieben, in Toulouse fiel die Premiere von Strauss’ «Daphne» aus (siehe Seite 46).
Hinter den Streiks stehen die sogenannten intermittents du spectacle. Dauerhaft nicht-dauerhaft Beschäftigte sind damit gemeint. Freie Schauspieler, Sänger, Bühnenarbeiter, Techniker, die sich von einem Projekt zum nächsten hangeln und dazwischen häufig Leerlauf überbrücken müssen. Sie kämpfen um ihren Sonderstatus in der französischen Arbeitslosenversicherung: Wer 507 Arbeitsstunden in zehn Monaten nachweisen kann, hat Anspruch auf acht Monate Arbeitslosengeld. In der Theorie klingt das gut: Dreieinhalb Monate arbeiten, dann zurücklehnen. In der Praxis ist es mit der ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder...
Er brauchte einer nur ins Auge zu schau’n, und schon war er hin. Ein Pan, dieser Leos Janácek, ein homme à femmes, wenngleich seine Altersbeziehung zur jungen Kamila Stösslová vor allem den Briefträger beschäftigte. Auch bei Liska Bystrouska, der gewitzten Füchsin, war Kamila das Vorbild, und im beständigen Denken an sie zeichnete der Komponist musikalisch ein...
Ein freier Tag in Zürich. Ich streife durch die Geschäfte, auf der Suche nach einem Souvenir. Eine Rolex! Kein Geld, die Gage gibt’s nicht her. Manche kriegen sowas geschenkt, aber ich bin (noch!) nicht berühmt genug. Ein Raclette-Grill? Zu sperrig. Eine Kuckucksuhr? Zu hässlich. Dann eben ein richtig gutes Schweizer Taschenmesser. Das war vor zwanzig Jahren. Auf...
