Kulturtransfer und Identität im Musiktheater
Kulturtransfer, Identität: Sind das nicht genau jene Worthülsen, die im Moment immer dort kursieren, wo über Kultur geredet wird, und hinter denen sich eine zugleich banale und folgenreiche Erfahrung verbirgt: die Erfahrung, dass unsere Kultur- und natürlich auch unsere Musikszene in einer Weise vielfältig geworden ist, die es den Verantwortlichen, aber auch den Rezipienten oft schwer macht, angemessen zu agieren? Muss also hinter unserem Thema nicht ein dickes Fragezeichen stehen? Was meinen wir überhaupt, wenn wir solche Begriffe für ein Round-Table-Gespräch aufrufen?
Begri
ffe leben bekanntlich von der Art, in der man mit ihnen umgeht. Man kann den viel benutzten und auch zerschlissenen Begriff der Identität zunächst ganz simpel mit einer alten, einfachen und sozusagen zeitlosen Bestimmung aufgreifen: Wer man ist in der Welt, das ist keine Gegebenheit, sondern eine Aufgabe. Gleich im ersten Band des unter anderem von Friedrich Jaeger herausgegebenen «Handbuchs der Kulturwissenschaften» (Metzler Verlag) findet sich ein faszinierendes Kapitel zum Thema Identität, in dem dieser Aspekt aufgegriffen und weitergeführt wird. Identität, so sagt die moderne Kultur- und Sozialwissenschaft, ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Thema, Seite 28
von Stephan Mösch
Der Olymp liegt hinter einer Flügeltür. Oben auf der Galerie, zu der eine hochherrschaftliche Treppe führt, die das holzvertäfelte Vestibül symmetrisch in zwei Hälften teilt. Links und rechts neben der Tür hängen die Ahnen an der Wand. In Öl, ordentlich gerahmt. So entrückt wie der meist abwesende Patriarch (Jupiter), der, vom Treiben unten im Foyer hermetisch...
Helene Steffan, die langjährige Tonmeisterin des Bayerischen Rundfunks, war eine resolute, ja gefürchtete Dame. Ihrem Ohr entging nicht der kleinste Fehler, und sie hatte keine Hemmungen, auch weltberühmten Künstlern deutlich zu sagen, was da gerade an Schludrigkeiten in die Mikros geschwappt war. Schwärmen oder Verklären war ihre Sache nicht. Doch in einem Fall...
Ein Jahr lang wurde diskutiert und vor allem vertagt: Bischöfe, die zum Finalchor Hostien verteilen? Eine Affenhaut, die ans Kreuz genagelt wird? Juliane Votteler, Augsburgs skeptische Intendantin, und ihre Regisseurin Tatjana Gürbaca wollten sich das zunächst in natura ansehen – in den Endproben also, bis die Chefin dann kurz vor der Premiere verfügte: Diese...
