Werktreue als Alibi und Herausforderung

Opern von Puccini und Giordano auf DVD

Opernwelt - Logo

Dass eine Frau im Rentenalter ihre Jungfräulichkeit mit Zähnen und Klauen verteidigt und dabei jede Menge Männer über die Klinge springen lässt, wäre ein reizvolles Sujet für einen psychologischen Kino-Thriller, es ist aber nicht unbedingt das Thema von Puccinis «Turandot». Die überreife Prinzessin, die Luana DeVol in Barcelona zum Bes­ten gibt, klingt dabei noch relativ frisch gegenüber der an Jahren jüngeren Kollegin Eva Marton in San Francisco, deren berüchtigtes Altersvibrato da wahre Orgien feiert.

Doch ganz unabhängig von solchen problematischen Besetzungen ist es ärgerlich, dass Puccinis unvollendeter Schwanengesang, in dem traditionelle Gesangsoper und musikalische Avantgarde eine spannungsreiche Symbiose eingehen, überall auf der Welt zu reinen Ausstattungsspektakeln missbraucht wird. Sowohl Ezio Frigerio und Franca Squarciapino in Barcelona als auch David Hockney in San Francisco haben dem Auge einiges zu bieten, doch in dem ganzen Farbenrausch und inmitten des Gewusels der Menschenmassen gewinnen die handelnden Personen keinerlei Kontur, bleiben völlig im Gestenkanon der alten Rampenoper ­gefangen. Dabei können Michael Sylvester und Lucia Mazzaria als Calaf und Liù in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: DVDs, Seite 55
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Janácek: Die Ausflüge des Herrn Brouce

Gegenüber «Jenufa», «Katja», «Füchslein», auch «Totenhaus» und «Ma­kro­pu­los» gilt der «Broucek» immer noch als Außenseiter. Im deutschen wie im tschechischen Sprachraum. Ein in sich divergentes Stück, mit dessen zwei ganz unterschiedlichen Teilen, der Mondfahrt und der Reise ins 15. Jahrhundert, Regisseure sich schwer tun. Christian von Götz fand jetzt einen...

Nicht singen!

Ein Blick genügt, das Drama zu schauen. Wo gewöhnlich Fauteuils sich befanden, teure Teppiche, kristallene Leuchter, schmucke Vasen und imposante Spiegel, da steht jetzt, im Deutschen Theater Berlin, vor geschlossenem rotem Vorhang, nicht mehr als ein braunlederner Dreiteiler auf einer Spielfläche von höchstens neun Quadratmetern. Nichts ist übrig geblieben vom...

Die Neinsagerin

Dank ihrer Vielseitigkeit hat Silvana Dussmann in den letzten Jahren gern Fuchs und Hase mit der Opernszene gespielt: Kaum war sie überregional in ­einem Fach aufgefallen, präsentierte sie sich an einem anderen Haus in einer Partie, die ganz und gar nicht dazu pass­te. Rosalinde und Norma, Chrysothemis und Verdis «Maskenball»: Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt kann...