Griechische Passion
Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft. Was Heinrich Schliemann hier fand, ist in Athens Nationalmuseum ausgestellt. Besonders natürlich jenes hauchdünne Goldporträt, das er für die Maske des Agamemnon hielt.
In den Südhang der Akropolis schmiegt sich das Dionysos-Theater. Dort kam die grausame Logik des Elektra-Stoffes erstmals auf eine Bühne. Sophokles forderte mit seiner Radikalversion Dutzende von Bearbeitern heraus, darunter Voltaire, Giraudoux, Sartre, Gerhart Hauptmann und Hofmannsthal. Des Letzteren psychologisch hochgerüstete Version wiederum war ein gefundenes Fressen für Richard Strauss, der nicht nur das Selbstbild des «griechischen Germanen» pflegte, sondern mit malträtierten Köpfen bereits Erfahrung und Erfolg gesammelt hatte: Nur ein Stoff wie «Elektra» konnte «Salome» toppen. Von den vier Theatersälen, über die Athens Kultur- und ...
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Moritz Eggert, Wilhelm Killmeyers Meisterschüler, greift gekonnt und zielsicher in die Farbkiste der Musikgeschichte und bedient sich im Fundus der Stile. Sein Sing- und Tanzspiel «Die Schnecke» hatte bereits 2004 in Mannheim für Furore gesorgt, obschon der eine oder die andere nach der Uraufführung gefordert hatte, den Komponisten samt Librettisten Hans...
Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» wollte in Dortmund nicht so recht die Flügel schlagen. Die «unglaubliche Geschichte» – so der Untertitel der Oper – fußt auf Alexander Puschkins gleichnamiger Verserzählung und ist, wie diese, Märchen und Groteske in einem. Ungleich schärfer noch als die Vorlage ist Rimskys Oper aber auch eine politische Satire auf die...
«Wir fragen uns heute, wie es möglich sein kann, anders zu arbeiten.» Mariame Clément, die junge franco-iranische Regisseurin, die seit ihren Debüts in Biel, Lausanne, Bern, Lübeck und Straßburg mit einer Überfülle an Einfällen, kleinen Geschichten und feinen Assoziationen auffällt, hat in ihrer kurzen Karriere bisher meist mit der Ausstatterin Julia Hansen...
