Unter Wert verkauft

London

Opernwelt - Logo

Es ist schon merkwürdig, dass Humperdincks beliebte Märchenoper seit mehr als sechzig Jahren nicht mehr im Royal Opera House zu sehen war. Höchste Zeit, das Stück endlich wieder einmal ins Programm zu nehmen. Für die Inszenierung zeichneten Patrice Caurier und Moshe Leiser verantwortlich, ein Regie-Duo, das an Covent Garden zuletzt mit «La Cenerentola», «Il turco in Italia», «Madama Butterfly» und Ambroise Thomas’ «Hamlet» eine bemerkenswerte Erfolgsserie hinlegte.

Gesungen wurde auf Deutsch – keine Selbstverständlichkeit, wenn man an die Aufführungsgeschichte von «Hänsel und Gretel» in Großbritannien denkt.
Doch leider fügte sich der Abend nicht zu einem schlüssigen Ganzen, kam der unheimliche Charme der Geschichte kaum zur Geltung. Christian Fenouillats Bühne und Agostino Cavalcas Garderobe stammen aus unserer Zeit. Besenbinder Peter spaziert, offenbar nach einem glänzenden Geschäftstag, mit Plastiktüten voller Feinkost herein. Die Neigung zu Bildern von Heute schafft freilich auch Probleme. Jene Erscheinungen etwa, vor denen die Kinder sich im nächtlichen Wald eigentlich fürchten oder die sie in Bann schlagen sollten, verströmen den Reiz des Alltäglichen oder gar des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von George Hall

Vergriffen
Weitere Beiträge
Plädoyers für die Landessprache

In einer Zeit, in der jedes deutsche Provinztheater «Jenufa» auf Tschechisch und «Eugen Onegin» auf Russisch spielt, wobei die Sänger, die sich ihren Text phonetisch eingehämmert haben, nicht verstehen, was sie singen (und das Publikum erst recht nicht), ist die Renaissance der Rundfunkaufnahmen aus der Zeit des Wirtschaftswunders ein heilsames Korrektiv. Statt der...

Dissonanzen im Märchenwald

«Werkraum-Theaterlabor» steht an der Tür im Freiburger Theatercafé. Das klingt nach Experiment und nach Spannung. Hier, auf dieser kleinsten Bühne des Freiburger Theaters, ist in der letzten Spielzeit «Der unglaubliche Spotz» vom Verein «indieoper» uraufgeführt worden – ein Stück von Mike Svoboda und Manfred Weiß, das inzwischen auch in Stuttgart und Augsburg zu...

Direkte Beziehung

Schutzlos ausgeliefert, fast nackt, dem Publikum indiskret nahe. Kein Kostüm, hinter dem man sich verstecken kann, kein Graben, der Distanz schafft, kein Orchester, das einen akustisch schützend umhüllt. Liedgesang, zumal im Saal, scheint keine Sache für Ängstliche. Manche Sänger freilich lieben gerade diese Nähe: «Was mich am Lied so fasziniert, ist die direkte...