Triste Tropen, wüstes Land
Van der Aa? Kennen wir nicht. Schreker? Nie gehört. Gluck? Mmm, da war doch was. Hat der nicht mal ein Stück für Paris geschrieben? Mit Unterwelt und so? Bis auf diese uralte Love Story gehört, was Serge Dorny zur elften Ausgabe des Frühlingsfestivals der Opéra de Lyon auftischt, wahrlich nicht zum kassensicheren Kernbestand des Repertoires.
Schon gar nicht in der Stadt an Saône und Rhône, deren Musiktheater der quirlige Belgier seit nunmehr zwölf Jahren mit interdisziplinärer Intelligenz, interessanten Künstler-Konstellationen, cleverem Marketing und hippen Bildungsprogrammen für Kinder und Jugendliche aufmischt. Trotzdem sind die Aufführungen voll bis auf den letzten Platz. Und selbst bei der französischen Erstaufführung einer Rarität wie Franz Schrekers «Die Gezeichneten» beherrscht in Jean Nouvels schwarz lackierter Hightech-Höhle kein Silbersee das Bild, sondern junges Gemüse. Bunt gesprenkelt ist das Parkett, auf den Rängen liegt das gefühlte Durchschnittsalter unter 35.
Traut man den jüngsten, für das Geschäftsjahr 2014 erhobenen Zahlen, läuft das während der ganzen Spielzeit so: 92 Prozent Auslastung hatten die 54 Opernvorstellungen, auf 97 Prozent brachten es die 18 Abende ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Als Fritz Busch in den 1930er-Jahren in Glyndebourne Mozart aufführte, ließ er die Rezitative selbstverständlich von einem Konzertflügel begleiten. Erst nach 1950 sollte sich das Cembalo als Begleitinstrument durchsetzen – bei Mozart, bei Rossini und noch für eine späte Oper mit recitativi semplici wie Donizettis «Liebestrank» von 1832.
Diese Entscheidung beruhte...
Herr Brownlee, im vergangenen Jahr haben Sie sich in Seattle den Don Ottavio vorgenommen, gerade in der Münchner «Così fan tutte» den Ferrando – ein Rossini-Tenor auf dem Weg zu neuen Ufern?
Das kann man nicht ganz so sagen. Ich kehre zurück zu Mozart. Den Ferrando habe ich schon während meines Studiums gesungen. Okay, das ist 20 Jahre her ... Meine ersten beiden...
Es habe keinen Tag gegeben, so hat Marcel Prawy erzählt, an dem es nicht in ihm gesungen hätte: «Glück, das mir verblieb». Und immer habe er dabei die Stimmen von Maria Jeritza und Lotte Lehmann gehört, die im Palast seiner Erinnerungen fortlebten wie die Marie in der von ihrem Witwer Paul für sie errichteten «Kirche des Gewesenen». In der Hamburger Aufführung von...
