Verdi: Don Carlo
Über dem Musiktheater in der Goldstadt Pforzheim liegt der Schatten der jeweils nur eine halbe Bahnstunde entfernten Konkurrenz in Karlsruhe und Stuttgart. Mit dem Mut der Verzweiflung fordert der Pforzheimer Opernchef und GMD Jari Hämäläinen die beiden Staatstheater auf deren ureigenstem Gebiet, der großen Oper, heraus. «Fidelio», «Tosca» und «Don Carlo» standen in dieser Spielzeit auf dem Programm, «Tannhäuser» und «Otello» sind für die kommende Saison geplant.
Ob das angesichts der beschränkten künstlerischen Ressourcen und der räumlichen Situation des fünfhundert Zuschauer fassenden Hauses Sinn macht, darf bezweifelt werden. Dass es anders geht, führt in der Region im Moment mit Fantasie und Erfolg Heidelberg vor. Verdis «Don Carlo» jedenfalls war ein zweifelhaftes Vergnügen und das nicht nur wegen der unsäglich einfallslosen, aus Regensburg übernommenen Inszenierung des früheren Pforzheimer Intendanten Ernö Weil. Bei der Wahl zwischen der vier- und der fünfaktigen Fassung hat man sich für die musikalisch unmögliche Lösung des Kompromisses entschieden und dem Klosterbild das aus dem Fontainebleau-Akt herausgeschnipselte Duett Elisabeth/Carlos als eine Art Prolog vorangestellt. ...
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