Dialog der Zeiten
Wer sich selbst sehen will, braucht einen Spiegel. In der Oper war die Historisierung schon früh ein Mittel, die eigene Gegenwart in den Blick zu bekommen. Geschichtliche Distanz spornt an zur Selbstdeutung – als Eigenleistung des Zuschauers, nicht als Diktat des Autors. Darin lag der Sinn von Stoffen aus fernen Ländern und Zeiten.
Der Theologe und Dichter Christian Lehnert, der sich durch sein Libretto für Hans Werner Henzes «Phaedra» (2007) einen guten Ruf erwarb, hat nun einen neuen Text vorgelegt, der überaus geschickt den anti-musealen Eifer der Praxis pariert mit dem Wunsch nach Erkenntnis durch geschichtliche Reflexion. «Vom Lärm der Welt oder Die Offenbarung des Thomas Müntzer» gelangte jetzt, mit der Musik von Sven Helbig, am Deutschen Nationaltheater Weimar zur Uraufführung.
Für eine Oper ist der Anteil der sympathisch bescheidenen, klug eingesetzten Musik eher klein: Sie beschränkt sich auf knappe Bariton- und Tenor-Partien für Martin Luther (weich und freundlich: Bjørn Waag) und Thomas Müntzer (visionär zermürbt: Jörn Eichler) sowie eine mittlere Sopran-Partie für eine schwangere Frau (hell und gütig: Steffi Lehmann). Dagegen hat der Chor, begleitet vom umfangreichen ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Jan Brachmann
Mit seinen Opern hatte Antonín Dvorák, mit Ausnahme von «Rusalka», außerhalb Böhmens wenig Glück. Der 1875 komponierten «Vanda» war selbst in seiner Heimat kein Erfolg beschieden: Der Fünfakter im Stil der französischen Grand opéra fiel bei der Prager Premiere durch und ist heute gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie jetzt die Osnabrücker Aufführung bewies. Gewiss...
Erinnern Sie sich noch? An die Zeiten, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland nur aus dem Ersten, dem Zweiten und ein paar Regionalprogrammen bestand? Und Theater, Oper, Konzert noch einen Platz im (Spät-)Programm hatten? Wer das Neueste vom Tage nicht versäumen wollte, musste sich damals freilich an feste Sendezeiten halten. Als die Künste Anfang...
Unter den Dokumentarfilmern, die sich für Musik interessieren, nimmt Bruno Monsaingeon einen besonderen Rang ein. Der Franzose ist ausgebildeter Geiger und verkehrt mit Musikern sozusagen in ihrer Sprache. Das hat ihm nicht nur Türen, sondern auch Herzen geöffnet. Monsaingeon interessiert sich für die eher scheuen, oft schwierigen Künstler, die ihren Weg abseits...
