Zirkus für Gesangsvirtuosen
Die dritte Staffel historischer Aufführungen der Metropolitan Opera, von Sony preiswert, aber in billiger Aufmachung veröffentlicht, bestätigt den Eindruck, dass Oper an diesem Hause lange Zeit mehr mit Zirkus als mit Theater zu tun hatte. Die Musik scheint oft nur Anlass zu sein, Sänger glänzen zu lassen. Sie werden beim Auftritt mit in das Orchesterspiel hineinplatzendem Beifall empfangen und nicht nur nach ihren Arien, sondern auch nach jeder Fermate auf einem Spitzenton lauthals bejubelt.
Die Dirigenten – vor allem versierte Routiniers wie Fausto Cleva und Kurt Adler – sind oft nicht mehr als Steigbügelhalter für die Gesangsvirtuosen der Neuzeit. Und keiner weiß seine Narrenfreiheit schamloser auszunutzen als Franco Corelli, der in einem «Trovatore» von 1961 zur Freude des Auditoriums dem Affen kräftig Zucker gibt.
Ein Jahr später wurde er in Salzburg von Herbert von Karajan im gleichen Stück stärker an die Kandare genommen. Wie dort war auch in der New Yorker Aufführung Leontyne Price seine Partnerin, die damals noch am Anfang ihrer Weltkarriere stand. Sie hat die Leonora nicht weniger als dreimal im Studio aufgenommen und bietet auch hier – stimmlich frisch und glutvoll im ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Verdis «La forza del destino» – nach dem spanischen Schauerstück des Ángel de Rivas Saavedra zum wilden, atemlosen Musiktheater geformt – ist ein Bilderbogen des Krieges und der Blutrache, wo selbst fromme Mönche donnernde Verfluchungen ausstoßen und die Hauptfiguren untergehen: gequält, erdolcht, zerschmettert auf dem Boden einer Schlucht. Verdis «Krieg und...
Kurz vor seinem 75. Geburtstag wagte sich Claudio Abbado zum ersten Mal an Beethovens «Fidelio». Die Aufführung, im Frühjahr 2008 nacheinander in Reggio Emilia, Baden-Baden, Madrid, Ferrara und Modena gezeigt, wurde von den angereisten Kritikern als musikalische Offenbarung empfunden. Zwei Jahre später nahm sich der Dirigent das Werk beim Lucerne Festival noch...
Ohne den notorischen BIC-Stift, der ihm oft als Dirigentenstab dient und irgendwie zu seinem Markenzeichen wurde, sondern mit bloßen Händen formend, schraffiert René Jacobs in vertikal wippenden Arm- und Körperbewegungen Glucks «Telemaco»-Musik sozusagen in den Raum. Wobei das Ganze, will man den Vergleich weiterspinnen, eher auf eine zart aquarellierte Zeichnung...
