Kolumbus, nein danke!
Jedes Jahr am 12. Oktober bekam der junge Mauricio Kagel in Buenos Aires Magengrimmen. Denn an diesem Datum feiert Argentinien die Entdeckung Amerikas mit einem «Día de la raza» («Tag der Rasse»), dem Kolumbus-Tag, einem chauvinistischen Fest zu Ehren der Kolonialisierung. Dies lag Kagel schon aufgrund seiner jüdisch-russisch-deutschen Herkunft stets stagelgrün auf; 1975 schließlich, längst in Köln bewahl-heimatet, rächte er sich mit Stück «Mare nostrum».
Aber eben auf typisch Kagel’sche Art: nicht mit der Attitüde des Belehrenden – er mochte pädagogische Werke nicht, sagte er einmal, denn er misstraute der blanken Nutzanwendung; der Hörer sollte zu seiner Musik sein ganz persönliches Verhältnis finden. Anstelle des Zeigestabs setzte er Witz, Persiflage und eine Schubumkehr: Was wäre, fragt er, wenn nicht die Spanier Südamerika, sondern ein Eingeborenen-Stamm aus Amazonien den Mittelmeerraum erobert hätte?
Als Musiktheater im üblichen Sinn war das nicht geplant. Kagel stand stets für die radikale Kritik am traditionellen Musikbetrieb, für die bewusste und ironische Entfernung von den Normen der Klangerzeugung und der Hörerwartung. Und für beißenden Witz, der die Provokation ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Gerhard Persché
Ihr letztes Album hieß «Guilty Pleasures», sündiges Vergnügen ...
Ja, es ist mein schlechtes Gewissen. Denn die Titel sind gar zu schön. Zumindest gemessen an den üblichen, europäischen Kriterien. Die CD knüpft an mein Album «The Beautiful Voice» an, das vor fünfzehn Jahren eine Art Durchbruch für mich bedeutete. Zumindest hat es das Klischee gefestigt, das mir...
Stephan MÖSCH: Ich darf die Hausherrin zuerst ansprechen. Frau Sobotka, Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, ein Theater sei keine Demokratieanstalt, sondern nur hierarchisch zu führen. Da spricht natürlich eine Frau, die lange mit Ioan Holender zusammengearbeitet hat. Was bedeutet die These konkret für Sängerinnen und Sänger?
Elisabeth SOBOTKA: Sie...
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