Das Unbehagen
Das Theater beginnt schon vor dem Theater. Noch ist kein Ton erklungen, geht es schon hoch her auf der Bühne der Leipziger Oper, wo sich, in ziemlich getreuer Abbildung, der Zuschauerraum der Leipziger Oper befindet. Ein buntes Völkchen strömt, befeuert vom Prinzipal der für diesen Abend engagierten Theatertruppe (mit Verve und Witz: der Schauspieler Friedhelm Eberle), zu den Türen hinein, tummelt und sammelt sich, drängt vor und zurück, sucht den passenden Sitz, die richtige Façon. Und eben auch das bestmögliche Theater.
Sergej Prokofjew wollte es so: Die Tragischen, die Lyrischen, die Lächerlichen, die Komischen, sie alle dürfen hier ihr Recht formulieren auf die Kunst, die ihnen vorschwebt.
Damit fängt die Deutungsvielfalt an. Natürlich kann man die 1919 in die Welt gelangte Oper als Lachsalvennummer von Gozzis Gnaden inszenieren. Man kann aber auch, mit dem Theaterrevolutionär Meyerhold, sagen: Es gibt in dieser bizarren Burleske viele Zwischentöne, Misstöne, Untertöne, kurzum: eine politische Seite, die sich hinter dem grotesken Klamauk verbirgt. Wolfgang Engel, bis vor drei Jahren Schauspielchef in Leipzig, schabt diese Fläche des Werks frei. Er tut es behutsam, mit einer ...
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In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen. Sie...
Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher...
Dichter kann ein Opernmonat kaum sein. Abseits der Metropolen kommt Franz Schreker endlich einmal wieder zu seinem Recht. Chemnitz holt den «Schmied von Gent» aus dem Vergessen, und Augsburg setzt sich für «Der ferne Klang» ein. Die musikalischen Ergebnisse rechtfertigen in beiden Fällen den Aufwand. In Berlin rivalisieren Staatsoper und Komische Oper in Sachen...
