Multikultureller Zauber

Florenz, Janácek: Das schlaue Füchslein

Opernwelt - Logo

Italiener mögen Märchenopern nicht sonderlich, es sei denn, sie werden in einer Fremdsprache gesungen. Im Fall von Janáceks «Füchslein» kommen erleichternd die realistisch-naturhaften Elemente der Geschichte hinzu, die auch ohne jedes Wortverständnis nachvollziehbar sind. Man findet sie nicht nur bei den Menschen, sondern auch (und gerade) in der Tierwelt, die bei aller Stilisierung etwas Natürliches bewahrt. Diese Ambivalenz hat Regisseuren seit je zu schaffen gemacht.

Gerät die Sache zu leicht, kommt eine Pantomime oder ein Cartoon dabei heraus (eine mit Zeichnungen von Stanislav Lolek illustrierte Novelle von Rudolf Tesnohlídek war ja tatsächlich Janáceks Ausgangspunkt). Nimmt man nur die philosophisch-politischen Aspekte in den Blick, läuft alles auf jenes Symbol-Drama hinaus, das Janáceks Übersetzer Max Brod vorschwebte. Das Original-Libretto hatte Brod als «sehr ärmlich und unklar» abgestempelt und gemeint, dass es «dringend großer Verbesserungen» bedürfe, «um auf der deutschen Bühne zu bestehen». Janácek akzeptierte die Eingriffe widerwillig, um dem Werk eine weitere Verbreitung zu sichern; sein Herz schlug freilich für die ursprüngliche, vor und nach der Prager ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Carlo Vitali,Übersetzung: Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Concordia discors

Hans Werner Henze, auch beim Verbalisieren fantasievoll, schuf für Kleists Drama «Der Prinz von Homburg» das Bild einer «seidig stählernen Sprache». Dies lässt uns ans «Glühend’ Eis und schwarzer Schnee» Shakespeares aus dem «Sommernachtstraum» denken und ist zugleich eine passende Charakterisierung für eine Kleist-Oper, die ja insgesamt wie eine Concordia discors...

Unter Wert

Tschaikowskys einzige komische Oper basiert auf Nikolai Gogols ukrainischem Volksmärchen «Die Nacht vor Weihnachten» und wird selbst in Russland als Rarität gehandelt. Francesca Zambello brachte sie nun zur Vorweihnachtszeit erstmals in Covent Garden auf die Bühne. Der Komponist selbst hatte stets eine besondere Vorliebe für dieses Werk und nannte es einmal sogar...

Ehrenrettung


In der Literatur über Puccini besteht Einigkeit darüber, dass seine zweite Oper «Edgar» misslungen ist. Der Komponist selbst sprach von einem «kranken Organismus». Nach dem
Erfolg, den sein Erstling «Le Villi» 1884 in einem kleinen Mailänder Theater hatte, erhielt er von Giulio Ricordi den Auftrag zu einer neuen Oper. Die Arbeit daran zog sich über vier Jahre hin,...