Reise ins Licht
Beim Anflug auf Moskau zeigt sich der Himmel noch bedeckt, fleckig und grau. Die Bäume leuchten gelb und rot. Boote dümpeln auf matt schimmerndem Wasser, aber die Natur kann schon nicht mehr verbergen, dass der Herbst sie getroffen hat. Dann wird es noch dunkler, Nacht senkt sich über den Flughafen Sheremetyevo. Umsteigen. Der gewaltige Airbus glänzt silbern im Licht des Rollfelds, er scheint Luft ein- und auszusaugen wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Neuneinhalb Stunden fliegt so eine Maschine, eine riesige Strecke, sieben Zeitzonen – und am Ende ist man immer noch in Russland.
Grell steigt die Morgensonne über dem Pazifik auf, als das Flugzeug zur Landung ansetzt. Dann dampfende Felder im Morgennebel, in denen sich das Licht eines neuen Tages verfängt, die Luft würzig und rau, leicht angeschärft vom Seewind. Alte Bäume, zwischen denen der ausgehende Sommer noch hängt wie Wärme in einem alten Backofen. Eine lange Autofahrt durch Wälder, am Horizont die Ahnung riesiger Wasserflächen. Dann die ersten Werbeplakate, kleinere Häuser, zu Sowjetzeiten errichtete Wohnblocks, das Glitzern des Pazifiks. Willkommen in Wladiwostok.
Hier also, am anderen Ende der Welt, soll Europa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist bereits die fünfte Strauss-Produktion der Ära Valery Gergiev. Und es ist eine Erfolgsgeschichte für das Mariinsky Theater. Die Wagner-Primadonna des Hauses, Larissa Gogolewskaja, wurde für ihre brillante Darstellung der Titelpartie in «Elektra» (2007) mit dem renommierten Preis «Die goldene Maske» ausgezeichnet. Das britische Regie-Team hinterließ bleibende...
Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...
Verdis «Traviata» kann man auf unterschiedliche Weise erzählen. Dietrich Hilsdorf hat sich in Köln für die gesellschaftliche Variante entschieden und die Handlung ins «Restaurant Coquette» verlegt, in dem sich die Pariser Halbwelt trifft. Dieter Richters stimmiges Bühnenbild zeigt leicht verblasste Räume des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in denen die Melancholie...
