Flachrelief und Improvisation
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu solchen Gedanken wird man durch zwei neue Inszenierungen von Verdis «Simon Boccanegra» angeregt, die an der Nederlandse Opera Amsterdam beziehungsweise an der Pariser Bastille-Oper herausgekommen sind.
Es bietet sich für eine schnelle Dramaturgie natürlich an, die politische Szenerie des gegenwärtigen Italien à la Berlusconi und Prodi auf das Melodramma von Francesco Maria Piave und Arrigo Boito zu projizieren. Das auf den ersten Blick große Durcheinander in der Handlung entspricht durchaus der gegenwärtigen politisch-parlamentarischen Realität, auch wenn man den Giftmord(versuch) inzwischen an andere Länder abgetreten hat, siehe Ukraine. Doch solche hurtigen Parallelisierungen tangieren bestenfalls die Oberfläche der Geschichte. Wenn Verdi den Machtkampf zwischen Patriziern und Plebejern im Genua des frühen vierzehnten ...
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Eine Marktlücke füllt der neue «Barbier», den Sony in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk produziert hat, sicher nicht, denn es gibt von dieser populären Buffa mehr als genug erstklassige Aufnahmen. Das geschäftliche Kalkül zielte wohl auf die Besetzung der Rosina mit dem bulgarischen Weltstar Vesselina Kasarova, die in dieser Partie anderweitig noch nicht...
Vor zwei Jahren träumte er noch. «Mir schwebt vor, möglichst viele Formen der Gegenwartskunst in diese Mauern zu holen, Film, Literatur, bildende Kunst, jede durchaus in ihrem eigenen Recht, und sie zum Austausch mit der Kunstform Oper zu provozieren», hatte Seán Doran, von Herbst 2003 an Künstlerischer Chef der English National Opera, dem Schreiber dieser Zeilen...
In den Kulturmetropolen Nordamerikas und Europas ist Kunst aus China gegenwärtig le dernier cri. Mit dem Aufstieg der Milliarden-Nation zur Wirtschaftssupermacht ist auch das Interesse an Erzeugnissen des sich zaghaft der Aufsicht durch die kommunistische Partei entwindenden chinesischen Kulturbetriebs sprunghaft angewachsen. Die Regisseure Chen Kaige, Zhang Yimou...
