Editorial
Sieben CDs hat «Opernwelt» bisher herausgebracht – exklusiv für unsere Leser. Immer waren es Aufnahmen, die erstmals auf CD erschienen. Und immer haben wir Künstler in den Mittelpunkt gestellt, die von der Plattenindustrie kaum beachtet oder einseitig eingesetzt wurden. Martha Mödl zum Beispiel war wirklich glücklich, dass sie am Ende ihrer langen Laufbahn auf der «Opernwelt»-CD 1999 nicht als Wagner-Sängerin auftauchte, sondern mit einem Repertoire, dass kaum einer von ihr kannte: Gluck, Verdi, Schönberg – und die Carmen.
Von Anja Silja haben wir den ersten «Tristan»-Akt aus Rom 1965 veröffentlicht – ihre einzige Produktion, an der die (laut Autobiografie) zwei wichtigsten Männer ihres Lebens gleichzeitig beteiligt waren: Wieland Wagner und André Cluytens. Für die «Opernwelt»-CD zum 80. Geburtstag von Jean Cox gab Wolfgang Wagner 2002 einen Mitschnitt des dritten «Siegfried»-Aktes aus Bayreuth frei, in dem der amerikanische Tenor, dessen Glanzzeit so gut wie gar nicht dokumentiert ist, im Verein mit Catarina Ligendza Maßstäbe setzt. Julia Varady war mit frühen Lied-Aufnahmen aus den siebziger Jahren präsent, Helen Donath durch Live-Mitschnitte ihrer späten Karrierephase.
Au ...
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Die Zeiten sind vorüber, in denen Asiens große Festivals reine Import-Betriebe für Klassik aus dem Westen waren. In Singapur ist diese Tendenz derzeit besonders deutlich zu besichtigen. Stolz ausgestattete Museen feiern die eigene Geschichte, multimedial aufgedonnerte Ausstellungen begeben sich auf die Suche nach der eigenen Identität, und auch das Singapore Arts...
Operette unterm Hakenkreuz: Den Titel der Tagung nimmt mein Beitrag ernst und wörtlich. Das kann nur heißen: wie es der singulären Operette – überhaupt und insgesamt – im Zeitraum und Machtbereich der Nazidiktatur ergangen ist. Und den Gegenstand Operette selbst nimmt mein Beitrag ebenso ernst und wörtlich wie ihn jedes seriöse Nachschlagewerk definiert. Nämlich...
Bei der Uraufführung einer Rameau-Oper, so ist überliefert, rügten einst die Orchestermusiker, sie seien mit der Wiedergabe der komplexen Partitur derart beschäftigt, dass ihnen nicht einmal die Zeit zum Schnäuzen bleibe. Auch die Kieler Philharmoniker dürften sich gehörig gefordert gefühlt haben, als sie sich unter dem ebenso kenntnisreichen wie befeuernden...
