Oper, wie das Leben so spielt
In der Oper geht es zu wie im wirklichen Leben: Die meisten lügen, dass sich die Balken biegen, die wichtigen Dinge geschehen hinter den Kulissen, wer Dreck am Stecken hat, verbirgt den Stecken, und die Intriganten handeln ganz selbstlos in höherem Interesse.
Der Berliner Staatsopernintendant Peter Mussbach hat das in seiner Mailänder «Don Giovanni»-Inszenierung, die er dann ans eigene Haus holen wird, wohl begriffen. Er befragt die Situationen nach ihrer inneren Wahrheit und zeigt, oft provokativ, was dahinter steckt (oder stecken könnte).
Nicht immer ist in der Dialektik von Sex und Gewalt die Frau die Unterlegene – gleich in der Eingangsszene liegt Don Giovanni auf dem Rücken, und seine Verführungskünste haben Donna Anna wild gemacht, die über ihm kniet. Wenn die dann ihrem Don Ottavio erzählt, wie sie fast vergewaltigt worden wäre, sind die Beschönigungen handgreiflich – und trotzdem entlarvt, weil Donna Anna in ihrem Zorn auch ihren Verlobten gewaltsam bedrängt. Carmela Remigio, die die Partie landauf, landab singt, leider bisweilen schleppt und mit den Koloraturen Probleme hat, liefert eine hinreißende Charakterstudie. Oder wenn Zerline (Veronica Cangemi im Tanzkleidchen) ...
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