Aus dem Leben eines Taugenichts
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den «Rosenkavalier». Ich spiele Valzacchi, diesen skrupellosen Tratschonkel. Da müsste ich eigentlich ganz ungeniert alles ausplaudern dürfen. Wie die Kulissen aussehen. In welcher Epoche Richard das Stück ansiedelt.
Ob es einen riesigen Saurier auf der Bühne gibt ... Leider sind wir alle an eine Art Code gebunden. Eine Frage der Ehre und so, Sie wissen schon. Sie können mich sogar rausschmeißen, wenn ich nicht den Mund halte. Und das will ich denn doch nicht.
Es ist Richards erster Strauss, was mich überrascht. «Schätze, ich war Glyndebournes fünfte Wahl», vertraut er mir an. «Ich auch», sage ich ergeben. In meinem Fall ist das keine falsche Bescheidenheit. Ich habe schon einen Kollegen getroffen, der Valzacchi singen sollte. Er konnte nicht, man kam auf mich. So läuft der Hase in einem Sängerleben: Beleidigtsein sinnlos. Mal ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Christopher Gillett
In «Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes» erzählt Friedrich Torberg unter anderem von einem Gast namens Soyka, der einst das Wiener Café Herrenhof in komplettem Reitkostüm mit Schaftstiefeln, Sporen und Gerte betrat. Worauf der Schriftsteller und Aphoristiker Alfred Polgar süffisant bemerkte: «Ich hab’ ja auch kein Pferd, aber so kein Pferd wie der...
An Giacomo Meyerbeers Tod nahm ganz Europa Anteil: Am 6. Mai 1864, vier Tage nach seinem Hinschied, begleiteten drei Musikkorps der französischen Armee die von sechs Pferden gezogene Kalesche mit seinem Sarg. Mehr als zwei Stunden dauerte die Prozession über die Champs-Elysées und die Boulevards zum Pariser Nordbahnhof, wo der Wartesaal für die offizielle...
Seiner Natur und Geschichte nach war das deutsche Lied lange Zeit schüchtern, sensibel und kontaktarm, die Kunstform einer in sich verkapselten, nur bedingt gesellschaftsfähigen Innerlichkeit. Doch das änderte sich spätestens mit Richard Strauss, der sich weniger an Schubert, Schumann und Brahms orientierte, sondern vielmehr an den Konzertliedern von Franz Liszt...
