Stiller Könner
Obwohl er an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt arbeitete, war Heinrich Hollreiser nie ein Pultstar. Keine schillernde, exzentrische Persönlichkeit wie Herbert von Karajan, kein grantelnder Schwieriger wie Karl Böhm, kein exaltierter, liebenswerter Narziss wie Leonard Bernstein, zu deren Generation er gehörte. Heinrich Hollreiser war ein stiller Star. Er glänzte durch seine Arbeit, nicht durch sein Image. Es ging ihm darum, ein Werk zum Leben zu erwecken.
Als er sehr spät in seiner Laufbahn noch einmal den «Ring des Nibelungen» an der Deutschen Oper Berlin dirigierte, gab es gerade unter jüngeren Opernbesuchern nicht wenige, die vor Beginn des Zyklus Skepsis äußerten. Schon nach dem «Rheingold» wurde klar, dass diese leicht abschätzige Haltung völlig unangebracht war. Hollreiser war ein Theatertier und mit allen Wassern gewaschen. Er wusste genau, wie’s geht. Nach der «Götterdämmerung» war die Skepsis Bewunderung gewichen.
Seine musikalische Ausbildung erhielt Hollreiser in seiner Geburtsstadt München. Bereits im Alter von siebzehn Jahren dirigierte er eine Studioaufführung von Webers «Freischütz». Nach ersten Engagements in Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim und Duisburg ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Einträge fehlen in Deutschlands gängigen Opernhandbüchern. Zwischen Mussorgskyjs «Boris Godunow» und Nicolais «Lustigen Weibern» findet sich dort nichts. Wo eigentlich Josef Myslivecek hingehört, klafft eine Leerstelle im hiesigen Musikwissen. Wenn also die Kammeroper Schloss Rheinsberg den Böhmen auf ihre Festivalbühne brachte, tat sie, was in größeren...
Vornehm ausgedrückt, haben wir es mit lauter überreizten Figuren zu tun. Sie fuchteln in grellem Licht mit ihren Messern, das Blut spritzt munter, die Bühne gleicht einem Müllhaufen. Es wird gesexelt und proletet, gespuckt, gesoffen und deliriert. «Don Giovanni» aus der Sicht Calixto Bieitos. Wir wollen diese Zeilen lieber nicht damit füllen, wie der katalanische...
Er war nicht nur der größte unter allen lebenden Bassisten, sondern zweifellos ein Jahrhundertsänger: Kurt Moll. Jetzt verabschiedete er sich als Nachtwächter in den «Meistersingern» von der Bühne: jener Partie, mit der er 1968 in Bayreuth debütiert und mit der seine internationale Karriere begonnen hatte. Dirigent war damals nämlich Karl Böhm, der sich sofort...
