Zum Kunstraum wird hier die Seelenfahrt
Wie stets bei rosalies Opernarbeiten dominiert der Bühnenraum. Tannhäusers Pilgerfahrt ins Innere der Seele illuminiert eine Lichtinstallation, die die Bühne umschließt und dem Ganzen eine schillernde Mischung aus Neoromantik und kaltem Industriedesign gibt: wabenartig montierte Wände, die magisch in allen Farben changieren, vorzugsweise rot, wenn es um die Sinnenwelt geht, blau, wenn Tannhäusers und Elisabeths Seelenheil in Gefahr ist.
Gebrochen wird dieser abstrahierende Einheitsraum durch kräftige bildliche Akzente, die vor allem die reaktionäre Wartburggesellschaft ironisch unterfüttern. Wenn der Landgraf und sein Jagdtross auftreten – wie bayerische Trachtler in Lederhosen und Wadenstrümpfen –, senken sich vom Schnürboden drei kitschig-bunte Rasenstücke mit liebevoll modellierten Tierpräparaten herab. Noch ätzender wirken die aus verchromten Ölfässern geformten Sitzmöbel der von einem glitzernden Metallspiegel und einem kopflosen Kriegerdenkmal überragten Wartburghalle. Im letzten Akt schließlich sind es zwei Engelskulpturen mit Schmetterlingsflügeln, die mit barocker Düsternis den sterbenden Tannhäuser empfangen.
Gegen rosalies bildmächtige, kostümprächtige Opulenz konnte ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert
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