Baustelle Babel

Wagner: Das Rheingold Leipzig / Oper

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Nachdem Guy Cassiers kürzlich im Berliner Staatsopern-«Ring» einen Bewegungschor einsetzte, tut die englische Choreografin Rosamund Gilmore in Leipzig nun beim «Rheingold» das Gleiche. «Mythische Elemente» nennt sie zwölf Damen und Herren in elastischen Ganzkörperkostümen, wie man sie aus Avantgarde-Balletten der 50er- bis 70er-Jahre kennt. Zur Weltentstehungsmusik recken und strecken sie sich amöbengleich in der Ursuppe, bis sie – zumindest partiell – zu Individuen werden. Dann übernehmen sie die Rolle dienstbarer Bühnengeister.

Sie legen das Kneippkurbecken der Rheintöchter trocken, tragen das noch verpackte Mobiliar der Wotan-Familie herbei, schuften als Nibelungen für Alberich, formieren sich zum Apfelbaum Freias, zu Wurm und Kröte. Man kann das so oder so sehen. Und doch verdoppeln sie nur den Text, stören die Konzentration auf die Musik durch visuelle Ablenkung und Nebengeräusche.

Gilmore verlegt die Handlung in den Turm von Babel. Das Einheitsbühnenbild zeigt ein Treppenhaus, aus dessen Tiefe die Riesen emporklettern, aus dessen Höhe Alberich herabsteigt. Wotan will mit dieser 19. Jahrhundert-Architektur die vertikale Gesellschaftsordnung im Sinne der ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Boris Kehrmann

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