Nachhilfe für Mozart
Lang ist das alles schon her: «Così fan tutte» gute acht, «Don Giovanni» sogar knappe elf Jahre. Und stilistischer Stillstand, das Ausruhen auf dem einmal Analysierten, das Zufriedengeben mit dem erfolgreich Erreichten wäre so ziemlich das Letzte, was man mit dem Workaholic Kirill Petrenko verbinden würde. Die Metamorphose verblüfft dennoch. An der Komischen Oper Berlin muss das seinerzeit, wenn die Erinnerung nicht trügt, ein Mozart ganz aus dem Geiste des Sturm und Drang gewesen sein. Harsch, aufbrausend, angriffslustig, direkt, überraschend.
Nun, im neuen Leben als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ist allein Letzteres geblieben: Petrenkos «La clemenza di Tito» lässt ebenfalls aufhorchen, aber aus anderen Gründen. Erstmals setzt er sich mit dem Spätstück auseinander. Mit einer Seria, die nur wenig mit dem orchestralen Spieltrieb und der Experimentierlust des «Idomeneo» zu tun hat, die auf wundersame Weise zu einer Ökonomie der Mittel findet – und damit fast dieselbe Wirkung erzielt.
Für die Premiere, man hört es, muss Petrenko ungeheuer penibel geprobt haben. «Penetrenko», dieser Spitzname kursiert schon in Münchner Orchesterkreisen. Nicht böse ist das gemeint, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel
Arbeiten Sie eigentlich immer noch mit einem Gesangslehrer?
Ich habe zwei! Gerald Martin Moore in New York. Und Kiri Te Kanawa. Sie ist mein Idol seit meiner Kinderzeit. Ich sehe sie leider jetzt nicht mehr so oft, aber ich tue mein Möglichstes.
Ist es schwierig, sie nicht nachzuahmen?
Kiri kann man nicht nachahmen. Wenn sie in meiner Stunde singt, ist das so...
Über den kulturellen Kahlschlag, den die Landesregierung von Sachsen-Anhalt im vergangenen Juni beschlossen hat, ist in den letzten Monaten viel zu lesen gewesen. Dessau trifft es besonders hart: Hier sollen die Sparten Schauspiel und Ballett ganz eingespart werden.
Jetzt haben sich Intendant André Bücker und das Ensemble mit den Mitteln des Theaters gegen den...
Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exemplarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär....
