Aus dem Leben eines Taugenichts
Ein freier Tag in Zürich. Ich streife durch die Geschäfte, auf der Suche nach einem Souvenir. Eine Rolex! Kein Geld, die Gage gibt’s nicht her. Manche kriegen sowas geschenkt, aber ich bin (noch!) nicht berühmt genug. Ein Raclette-Grill? Zu sperrig. Eine Kuckucksuhr? Zu hässlich. Dann eben ein richtig gutes Schweizer Taschenmesser. Das war vor zwanzig Jahren. Auf die Rolex warte ich bis heute – die Hoffnung stirbt zuletzt –, aber das SwissChamp ist immer dabei. Zieht Korken, öffnet Dosen, schneidet Nägel.
Der Schraubendreher zieht die Bügel meiner Brille wieder fest, die Feile schärft die miesen Küchenmesser der Theaterwohnung. Es hat eine Säge, eine Pinzette, einen winzigen Kugelschreiber. Es kann fast alles. Aber eben nur fast. Ein paar Werkzeuge fehlen mir. Schmerzlich. Fast jeden Tag. Und zwar
1. eine Zange, mit der man dem Betriebsbüro Reisekosten aus dem Kreuz leiern kann, in bar
2. ein Hebel, der den Blick des Dirigenten um sechzig Grad nach oben dreht – Richtung Bühne
3. ein Regler, der ein hohes B klingen lässt wie ein hohes C
4. ein Stolperdraht, der jede Sopranistin zur Strecke bringt, die es wagt, sich vor mich zu stellen, wenn ich mit meinem hohen C dran bin (siehe 3.)
5. ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christopher Gillett
Um ein Haar wäre der Traum geplatzt. Schon lange wollte Hartmut Haenchen sein Strauss-Portfolio um die 1938 in seiner Geburtsstadt Dresden uraufgeführte «Daphne» bereichern. Frédéric Chambert, Intendant des Théâtre du Capitole in Toulouse, hat ihm den Wunsch erfüllt. Eine mutige Entscheidung, zählt doch das Spätwerk des bajuwarischen Maskenkünstlers, zumal in der...
Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt....
Einen «Bad Boy of Music» nannte sich George Antheil in seinen 1945 erschienenen Memoiren, und in der Tat mischte er in den 1920er-Jahren als Skandalkomponist die Avantgarde diesseits und jenseits des Atlantiks ganz schön auf. Nach seiner Übersiedlung in die USA verblasste allerdings sein diesbezüglicher Ruhm: Antheil verdiente seinen Lebensunterhalt vornehmlich als...
